DIE ZEIT

Endkampf ums Kabinett

Am Freitag, fünf Tage vor der Kanzlerwahl, wird die Verhandlungskommission der Freien Demokraten von Professor Erhard zu wissen verlangen, wie das neue Kabinett zusammengesetzt sein soll.

Prüfstein Berlin

Wird auch Berlin dem Teststopp-Abkommen beitreten? Die Bundesregierung und der Senat sind dafür. Auch Moskau scheint diesen Beitritt zu wünschen.

Unter dem Atomschirm

Die drei Buchstaben MLF bezeichnen einen militärpolitischen Schachzug. Noch weiß niemand, ob und wie die Multilateral Force – die multilaterale NATO-Atomstreitmacht – das große Spiel um militärische Überlegenheit und um politische Geschlossenheit des Westens beeinflussen wird.

Kanzlers Testament

Zehn Tage, ehe er aus dem Amte scheidet, ließ Bundeskanzler Adenauer seine Hammer-Schläge noch einmal mit wuchtigem Dröhnen auf jenen Amboß fallen, der ihm seit jeher der liebste war: den außenpolitischen.

Zeitspiegel

„Noch giftiger schoß diese Drachensaat (der tschechische Nationalismus) ins Kraut, als der Zweite Weltkrieg im sonst so friedlichen und wohlgenährten Protektorat Fälle von Terror und Gegenterror zeitigte.

Geheimnisse um ein Geheimnis

Vor einer Woche strahlte das Zweite Fernsehen eine interessante, aber zunächst unbeachtet gebliebene Meldung aus. Es war ein kurzer Ausschnitt aus einem Interview mit dem Bundeskanzler, das in voller Länge erst am 15.

„Fritz, was ist das mit der Mauer?“

Wer heute in Prag Deutschland kennenzulernen versucht, wer deutsche Zeitungen lesen, deutsche Bücher kaufen, wer Ausstellungen besuchen, Dichterlesungen oder Konzerte hören will, der ist vor allem auf das „Kultur- und Informationszentrum der DDR“ angewiesen.

Der Landarzt in der Casa Rosada

Am 12. Oktober – dem Tag, an dem Kolumbus Amerika entdeckte und der als Dia de la raza Nationalfeiertag der Neuen Welt ist – wird Dr.

Das Zukunftsbild der Kirche

Das Vatikanische Konzil – wie geht es voran? Und was geht voran? Diese Fragen zu beantworten, ist so einfach nicht. Denn das Unternehmen, das gegenwärtig programmgemäß in zweiter Session fortgeführt wird, ist zu groß, als daß ein Mensch – und sei es der Papst selber – zugleich Überblick über das Ganze und Gewißheit der Ziele haben könnte.

Auch Stammberger?

Im bayerischen Wahlkampf, dessen landesübliche Spezialitäten freilich besondere Vorsicht ratsam erscheinen lassen, wenn es um die Wertung von Wahlbehauptungen geht, geschah im Herbst vorigen Jahres folgendes: Der Bundestagsabgeordnete der CSU Karl Wieninger bestritt dem damaligen Bundesjustizminister Stammberger die Eignung zum Geheimnisträger.

Wie viele Briefe werden geöffnet?

Unsere Berichte über die Briefkontrolle auf Grund des Gesetzes von 1961 haben ein weites Echo ausgelöst. Aus vielen Teilen der Bundesrepublik bekamen und bekommen wir Zuschnitten, in denen uns Beweise für die Richtigkeit unserer Behauptungen angeboten oder übersandt werden.

Zwischenbilanz in der Abhör-Affäre

Akkurat einen Monat nach dem Beginn der sogenannten „Abhöraffäre“ haben die streitenden Parteien in Bonn Zwischenbilanz gemacht.

Kritik an Kennedy

Die innenpolitische Krise in Südvietnam hat ein Kriseln innerhalb der Kennedy-Administration bewirkt. Der schon mehr als einmal umstrittene amerikanische Geheimdienst, die Central Intelligence Agency (CIA) ist wieder einmal in einem Machtkampf von Politikern und Militärs geraten.

Zwischen Militärdiktatur und Kommunismus

Vor zwei Jahren schlossen die USA in Punta del Este mit latein-amerikanischen Staaten die „Allianz für den Fortschritt“. Die Amerikaner zeigten sich entschlossen, ihren Nachbarn im Süden auf dem Weg zu wirtschaftlicher Stabilisierung und einer gefestigten demokratischen Ordnung zu helfen.

Vor fünfzig Jahren: Hoher Meißner

Die Menschen aus den Bünden der einstigen deutschen Jugendbewegung sind heute zwischen fünfzig und achtzig Jahre alt. Was sie miteinander verbunden und geprägt hat, ist als Erlebnis einzigartig gewesen und auch einmalig geblieben.

Ben Bella – das kleinere Übel

Die bestmögliche Politik für Algerien ist die des kleineren Übels. Und das kleinere Übel ist im Moment Ben Bella – wenigstens für die französische Regierung.

Weizen für die Sowjets?

Unser Brot mit den Landsleuten hinter Mauer und Stacheldraht und mit allen notleidenden Völkern zu teilen, dies hat soeben Bundespräsident Heinrich Lübke den Mitbürgern ans Herz gelegt.

Labour an der neuen Grenze

Der Labour-Abgeordnete Richard Crossman fragte Harold Wilson zu Beginn des Kampfes um die Gaitskell-Nachfolge, warum er sich eigentlich berechtigt fühle, gewählt zu werden – welche besondere Leistung das Land und die Partei gerade von ihm erwarten könnten.

Wer rettete die Schweiz?

Es ist den Schweizern gelungen, nicht in den Zweiten Weltkrieg hineingezogen zu werden. Sie haben vielmehr ihre Freiheit und Unabhängigkeit bewahrt.

Die entrechteten Juristen

Dr. Horst Göppingen „Die Verfolgung der Juristen jüdischer Abstammung durch den Nationalsozialismus“, mit einem Geleitwort von Justizminister Dr.

Wohin mit Lateinamerika?

Die Staaten Lateinamerikas stehen fast alle noch vor der Entscheidung, welchen Weg sie gehen wollen. Weder Ost noch West können eine Entscheidung unmittelbar herbeiführen – dazu sind sich diese Staaten schon zu sehr ihrer selbst bewußt; von außen kann nur für diesen oder jenen Standpunkt geworben werden.

Aus fremden Federn

Alard von Schack führt in der „Außenpolitik“ (Heft 16) aus, die starke Vorliebe unserer Ostpolitik für vorwiegend wissenschaftlich völkerrechtliches Denken bedeute eine Gefahr.

Für Urban Roedl

Die verschrobenen Sektierer oder selbstzufriedenen Einzelgänger, die man die Stillen im Lande nennt, sind mit Recht in Verruf geraten.

Zeitmosaik

Das Soufflierbuch von „Kabale und Liebe“, jetzt vom Bibliographischen Institut Mannheim veröffentlicht, brachte an den Tag, daß der uns bekannte Text des Schillerschen Dramas entscheidend von der ursprünglichen Fassung abweicht: Ganze Szenen enthält das Soufflierbuch, die in allen vorliegenden Schillerausgaben nicht enthalten sind.

Hans Mayer:: Das Amt des Literaturkritikers

Natürlich hat Dr. Levin recht. Der Typ jenes unglücklichen oder verunglückten Schriftstellers, der sich zum Kritiker macht, um die Werke der lieben Kollegen entweder seelisch zu imitieren oder aus dem Grunde zu verwerfen, weil sie nicht so ausgefallen sind, wie er selbst sie geschrieben hätte, ist auch in der deutschen Literaturgeschichte gut bekannt.

Kleiner Kunstkalender

Die Kestner-Gesellschaft beginnt das neue Ausstellungsjahr, das erste unter der Regie von Wieland Schmied, verheißungsvoll mit dem Japaner Kumi Sugai.

Franz Josef Strauß

Er hat, was den Erfolg ausmacht: politische Leidenschaft, eine volkstümliche Beredsamkeit, Verhandlungsgeschick, Mut, aber auch Anpassungsfähigkeit und Instinkt, der vor grobem Danebengreifen schützt.

Das Glück

Dieser Mensch brachte es fertig, ihn an eine längst vergessene Theorie zu erinnern, die er vor langen Jahreneinmal im Anschluß an eine Dichterlesung mit glühendem Eifer verteidigt hatte.

Unsere Sprache: Die Nebensatzlosen

Man las es kürzlich in der Gesellschaftsspalte einer Illustrierten: der stellvertretende Chefredakteur einer vielgelesenen deutschen Zeitung betreibe als Freizeit-Hobby Theologie, indem er Predigten verfaßt.

Das kannibalische Idol

Zum 130. Mal hat sich zu Füßen der ehrbar erzenen Bavaria ein Monstrum niedergelassen. Die „Wies’n“, wie die Münchner ihr traditionelles Volksfest nennen, dauert ihre sechzehn Tage und holt täglich elf Uhr vormittags rasselnd neuen Atem.

Schon zu Lebzeiten ein Mythos

Als uns die Nachricht vom gerücht-umwitterten Tode G. G.’s erreichte, des von seinen Freunden geliebten und noch von seinen Gegnern neidvoll bewunderten Schauspielers, Regisseurs und Theaterdirektors (dies wäre die Reihenfolge, die sich Gründgens selber gewünscht hätte), wurde aus einem ganz gewöhnlichen Montag ein Tag, den wir – denen deutsche Kultur im allgemeinen und in diesem besonderen Falle deutsches Theater mehr bedeutet als eine Verzierung geschäftig-politischen Alltags – sobald nicht vergessen werden.

Film

„Schloß Gripsholm“ (Bundesrepublik; Verleih: Gloria): Kurt Hoffmann taumelt von einer künstlerischen Katastrophe zur andern.

Theater

Siegfried Melchinger berichtet in der Stuttgarter Zeitung ausführlich über die jüngste Inszenierung Walter Felsensteins in der Ostberliner Komischen Oper.

Die große Rede

Ob Krönung oder Staatsbesuch, hohe Taufe oder feierliches Begräbnis: das Volk, das sich im festlichen Zeremoniell einst selbst erhoben fühlte, ist wieder, wie zu Kaisers Zeiten, dabei; die Television ermöglicht eine neue, indirekte Form der Repräsentation.

Erinnerungen, Mahnungen, Warnungen

Nützt es, wenn jemand nur dringend pocht auf irgendein leider konjunkturuntüchtiges Buch? Sollte er nicht im gleichen Atemzuge warnen vor allen Büchern, denen es in diesem Jahr so offensichtlich allzu gut geht, deren viel zu langer Schatten viel zuviel verdunkelt? Ich jedenfalls mißtraue auch hier allem Darwinismus, jeder Auslese und jedem Recht des Stärkeren.

2. Die Stimme des Buchhandels

1. Mich dünkt, daß im Ernst nicht bezweifelt werden kann, daß wir eine Literatur haben, es sei denn, daß sie einem eigenen Wunschbild entsprechen müsse.

Kritische Annalen von Walter Jens:: Zwei Mörder, der schönen Jugend verfallen

In seinem 1961 in deutscher Übersetzung publizierten Tagebuch entwickelt der polnische Schriftsteller Witold Gombrowicz eine ebenso simple wie gefährliche Privatphilosophie: allein die Jugend, heißt es, sei „unfehlbar in jedem Akzent“, und nur die niedere, „dem Erdboden nahe Schönheit“ habe Anspruch auf dichterische Verklärung: glücklich das Land, in dem kein männlich-reifer Geist, sondern die frühe, leichte Form regiere und die Materie triumphiere; gepriesen das Retiro, in dem flanierende Matrosen den Charme eines Dorian Gray und die Vollkommenheit des Alkibiades demonstrieren! („Und hier, auf dem Retiro, sah ich die Jugend an sich, unabhängig vom Geschlecht, und empfand das Blühen des Menschengeschlechtes in der schärfsten Form.

Die Verwüstung des Gartens

Zehn Jahre lang schrieb der Engländer Malcolm Lowry an seinem Hauptwerk; 1934 in Mexiko begonnen, wurde es dreimal völlig umgearbeitet (der Schluß entstand in Kanada, in einer Kneipe am Ontario-See), bis es 1944 einen amerikanischen Verleger fand und 1947 tatsächlich verlegt wurde; zwar erkannte die Kritik sogleich seinen Rang, aber als Lowry 1957, achtundvierzig Jahre alt, in England starb, an der gleichen Sucht, die auch seine Hauptfigur zugrunde richtete, dem Alkohol, nahm man kaum Notiz davon.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT etwa 500 bunte Bilder mit all jenen Erscheinungen und Gegenständen, die das Kind allmählich in seine Vorstellungswelt aufnimmt – vom Adler bis zur Zwiebel, um den durch den ersten und letzten Artikel markierten Radius anzugeben, der, ein Gesetz aller enzyklopädischen Ambitionen, natürlich auch manch seltsame Zufälligkeiten mit einschließt.

Schutz für das deutsche Kinderbuch?

Das ist keine besonders gute, aber auch keine besonders schlechte Geschichte: Ein junges Mädchen reist in die Prärie und zum erstenmal fort von daheim, um Lehrerin zu werden.

Ein Philosoph, der ins Kino ging

In die schöne utopische Sternkarte der zwanziger Jahre gehört auch der Name Siegfried Kracauer, damals Autor, Redakteur und Korrespondent der Frankfurter Zeitung.

Kunst als Verpackung

Die einheitliche Linie fehlt dem modernen Schutzumschlag Von Gottfried Sello

Ein Schnauzbart in Walhall

Blechtrommeln störten auf schändliche Art die weihevolle Ruhe des „Götterhimmels“. Dann enthüllten zwei schwarzgekleidete Herren eine Gipsbüste.

Recht vor Gnade

Nicht nach Frankreich zurück, heim nach Ungarn! So bettelte der 25 Jahre alte Geza Györfi. Aber seine Bewacher ließen ihm keine freie Wahl.

„Ich habe mich restlos geirrt“

Die Staatsanwaltschaft beim Landgericht in Itzehoe hat dieser Tage eine Akte „Mietwucher“ anlegen müssen. Anzeigender ist der Wohnungsbauminister Lücke, der Mann, gegen den sich die Anzeige Lückes richtet, ist der Textilkaufmann Theodor Andersen aus Wilster.

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