Zum erstenmal seit Juni 1961 hat der Financial-Times-Index wieder einen neuen Höchststand (332) erreicht. Im Juni 1962 lag er noch bei 252,8. Der starke Grundton der Börse resultiert aus der besseren Konjunktur: Höhere Industrieproduktion, Rückgang der Arbeitslosenzahlen, verbesserte Handelsbilanz im August, steigende Exporte, Preisstabilität und die Stärke des Pfund Sterling.

Ein Bereich, der bisher wenig beachtet war, blieb das kommerzielle Fernsehen. Auf die Nachricht, daß den Fernsehgesellschaften höhere Verleihgebühren berechnet werden sollen, fielen die Kurse noch mehr ab. Schließlich ist den kommerziellen Fernsehunternehmen zur Beschneidung ihrer hohen Gewinne bereits eine Sondersteuer auferlegt worden. Was nun die Fernsehaktien anbelangt, so können die Großunternehmen wie ATV und Granada die erhöhten Kosten an die Werbewirtschaft weitergeben. Die kleineren, wie TWW, sind nicht in dieser glücklichen Lage. Die stärkste Erholung trat bei den Papieren der Luftfahrtindustrie ein. Es folgten der Elektro- und Schiffahrtssektor. Bankaktien haben sich in diesem Jahr noch nicht verbessert.

Nicht nur bei den Werkzeugmaschinen, sondern auch in der Leicht- und Schwerindustrie läßt die Konjunkturerholung noch zu wünschen übrig. Obwohl die Aussichten für 1964 besser geworden sind, kann mit einem Gewinnanstieg erst 1965 gerechnet werden. Selbst die Elektroindustrie, deren gute Gewinne zu dem hohen Kursniveau beitrugen und die einen ausgezeichneten Auftragsbestand zu verzeichnen haben, sieht sich noch vor schwierige Probleme gestellt. Der Augenblick scheint noch günstig, sich an folgende Branchen zu halten: Bausektor, Automobil- und Kaufhauswerte.

England befindet sich in der Phase einer echten Konjunkturerholung, Das gute Halbjahresergebnis von I. C. I. wird von Anlegern als Konjunktur- und Stimmungsbarometer angesehen. Bessere Geschäftsberichte sorgen für eine optimistische Börsenstimmung. Die City ist noch sehr flüssig. Selbst die Placierung der neuen 4%-Pfund-Anleihe der britischen Regierung über 400 Millionen verursacht kein Kopfzerbrechen.

Im Hintergrund stört allerdings mehr und mehr die politische Entwicklung. Dennoch sind die großen Institute und Berufsanleger noch aktiv. Materialmangel macht sich bei verschiedenen Werten bemerkbar. Die Anlageneigung der Kleinanleger ist allerdings zurückgegangen. City und Anleger beurteilen die Folgen einer Labour-Regierung unterschiedlich. Die Versicherungen vertreten beispielsweise den Standpunkt, daß die langfristigen Vorteile einer Aktienanlage größer als die politischen Nachteile einer Labour-Regierung sind.

Man erwartet, daß unter einer Labour-Regierung die Dividendenzahlungen eingeschränkt werden. Viele City-Berater empfehlen daher die Anlage von Wachstumswerten trotz der niedrigen Renditen und der geringeren Dividendenzahlungen. Nicht nur die Stahlwerke, die wieder verstaatlicht werden sollen, sondern auch die Grundstücksgesellschaften wurden von einer Labour-Regierung stark unter die Lupe genommen. Man will sämtliche Spekulationen in der Bau- und Grundstückswirtschaft unterbinden, so daß wohl eine frühzeitige Realisierung von Aktien auf diesem Sektor zu empfehlen ist. D. S.