BERLIN (Komische Oper):

„Ritter Blaubart“ von Jacques Offenbach

Siegfried Melchinger berichtet in der Stuttgarter Zeitung ausführlich über die jüngste Inszenierung Walter Felsensteins in der Ostberliner Komischen Oper. „Die genau zwischen der ‚Schönen Helena‘ und dem ‚Pariser Leben‘ entstandene, zur Weltausstellung 1866 uraufgeführte Opera buffa hat die Ingredienzien ihrer Epoche, der belle époque, in sich aufgenommen, um sie den Zeitgenossen im Spiegel vorzuführen ... nichts davon ist in Offenbachs Musik ohne Ironie ... dieses Schillern mitzuinszenieren, ist eine fast übermenschliche Aufgabe in einem Zeitalter, das Ähnliches nicht mehr kennt. Aber übermenschliche Aufgaben locken einen Felsenstein... Es wurde eine der geistreichsten, phantasievollsten und vitalsten Schöpfungen dieses Meisters der musikalischen Szene. Sie galt einem ebenso glänzenden wie schwierigen Werk.“ In den Hauptpartien: Anny Schlemm („kaum denkbar, daß diese tolle Rolle der Boulotte jemals wieder eine Verkörperung finden wird wie hier“) und der Tenor Hanns Notker („eine einmalige Besetzung“ der Titelrolle). Musikalische Leitung: K. F. Voigtmann, Ausstattung: Wilfried Werz.

FREIBURG (Stadttheater):

„Feierabend 1 und 2“ von Hans Günter Michelsen

Der Autor, Jahrgang 1920, schreibt jetzt an seinem vierten Stück. Das erste hieß „Stienz“, wurde für eine Studioaufführung der Frankfurter Städtischen Bühnen von Heinrich Koch und dann noch einmal vom Autor selber in Essen inszeniert. Das zweite, „Lappschieß“, liegt erst gedruckt vor. Das dritte, zwei handlungsmäßig nicht miteinander zusammenhängende Feierabendszenen, wurde von Claus Leininger in Freiburg inszeniert. Der Kritiker Günther Rühle, der alle drei Aufführungen gesehen hat, bemerkt in der FAZ: „In ‚Stienz‘ erfand Michelsen eine Situation, in der sich Menschen, die keinen Zugang zum Leben mehr fanden, verpuppten... ,Lappschieß‘ berührte wieder durch die ‚sprechende‘ Situation (ein abgestürzter Mann, der nach Berührung mit der Vergangenheit sucht)... Michelsens Not... ist die fast verzweifelte Einsicht, daß es Glück nicht gibt... daß die Menschentragödie das immer wiederholte Verpassen der Chance ist, das Besondere zu ergreifen.“ Den Realismus der „beiden Feierabendszenen aus dem bürgerlichen Heldenleben“ (Kneipenatmosphäre, Ehemief) bewältigte die Freiburger Uraufführung, wie Hans Daiber in der Deutschen Zeitung feststellt, mit „Stadttheater-Routine“. Das irritierte. Rühle ruft nach einem Regisseur, „der hinter dem fast aufdringlichen Milieu von Michelsens Stücken die arealistische Struktur erkennt“. Jac

MÜNCHEN (Kammerspiele):