pf, Berlin

Vor einigen Wochen gab es am Bahnhof Friedrichstraße in Ostberlin eine kleine Panne: an der Lichtreklame der Bahnhofsgaststätte MITROPA war das R ausgefallen, und schmunzelnde Passanten lasen also: MIT OPA.

Aber was damals ein unfreiwilliger Scherz war, verursacht durch das Versagen der Technik, erwies sich dieser Tage als bitterer Ernst: In einem Interzonenzug versah ein einziger, alter Kellner mit schlohweißem Haar, abgehetzt und sichtlich am Ende seiner Kräfte, den ganzen Speisewagen-Dienst: er raste von Abteil zu Abteil, um Platzkarten für das Essen anzubieten, er bediente allein 48 Gäste mit Speisen und Getränken, er mußte kassieren, abräumen, die Tische neu decken und zwischendurch noch ungeduldige Reisende besänftigen.

Auf den Strecken Berlin–Zwickau, Berlin–Rostock, Berlin–Erfurt, die ebenfalls MITROPA-Speisewagen führen, gibt es drei Kellner; es gibt sie auch in den Interzonenzügen, die statt von der MITROPA von der (westdeutschen) DSG bewirtschaftet werden. Daß jedoch in den MITROPA-Speisewagen zwischen Berlin und Köln, Berlin und Frankfurt, Berlin und Hamburg ein einziger Mann die Arbeit von drei Männern verrichten muß, hat einen ebenso einfachen wie plausiblen Grund.

Wir fragten das Zugpersonal. „Mangel an Arbeitskräften“ – lautete die Antwort. Ob nicht vielleicht zu viele MITROPA-Kellner die Reise dazu benutzt hätten, um auf der „anderen Seite“ zu bleiben? Ein Eisenbahner sah sich scheu um. Dann murmelte er: „Das auch!“