Die gedämpfte Investitionsneigung, die verringerte Selbstfinanzierung und ein strengerer Maßstab bei der Kosten- und Ertragskalkulation bildeten im wesentlichen den Rahmen für das mittel- und langfristige Kreditgeschäft der Industriekreditbank AG., Düsseldorf, im Geschäftsjahr 1962/63 (30.3.). Hauptaufgabe der Bank ist die Bereitstellung von mittel- und längerfristigen Krediten an solche Unternehmen, denen der direkte Weg zum Kapitalmarkt verschlossen ist. Sie gewinnt dabei einen ausgezeichneten Einblick in die Lage der Unternehmen mittlerer Größenordnung, so daß die Verwaltungsbemerkungen über diesen Bereich der deutschen Wirtschaft durchaus als repräsentativ gelten können.

Der Vorstand bestätigt die auch schon bei anderen Untersuchungen zutage getretene Wende von den Erweiterungs- zu den Rationalisierungsinvestitionen. Außerdem hat sich im Kreditgeschäft der Bank der Wunsch zahlreicher Unternehmen bemerkbar gemacht, kurzfristige Verbindlichkeiten durch langfristige Mittel abzulösen, um die Finanzierung bereits abgeschlossener Investitionsvorhaben nachträglich zu fundieren. Es wird aber auch davon berichtet, daß Investitionsprogramme über größere Zeiträume als während der vorangegangenen Aufbauperiode gestreckt werden. Insgesamt also Erscheinungen, die Ausdruck einer ruhigeren Wirtschaftsphase sind.

Die Bank macht sich über die Folgen der gedämpften Investitionsbereitschaft einige Sorgen. Sie sieht diese nicht nur als eine Folge der eingeschränkten Selbstfinanzierung an, sondern ist auch der Meinung, daß manche Neuinvestitionen unterbleiben, weil sie keine nachhaltigen Ertragssteigerungen versprechen. „Für eine Verbesserung der Konjunkturaussichten kommt es aber entscheidend darauf an, daß die Investitionsneigung wieder zunimmt. Es sollten daher in der Wirtschaftspolitik keine Akzente gesetzt werden, die einer allgemeinen Verbesserung der Ertragssituation im Wege stehen könnten, sondern im Gegenteil geeignete Maßnahmen erwogen werden, um die Unternehmerinitiative zu erhalten und zu fördern.“

In der Berichtszeit bewilligte die Bank langfristige Kredite von 319 (353) Mill. DM. Die Auszahlungen beliefen sich auf 326 Mill. Die etwas höheren Vorjahreszahlen beruhen zum Teil darauf, daß 1961/62 Erweiterungsinvestitionen und dementsprechend höhere Kreditbeträge eine größere Rolle gespielt hatten. Unter Berücksichtigung der Kreditzurückzahlungen wuchs der Bestand an langfristigen Ausleihungen um 132 Mill. DM auf 1,54 Milliarden DM. Um fast den gleichen Betrag, nämlich um 137 Mill., stieg die Bilanzsumme auf 1,89 Mrd. DM.

Mit dem wachsenden Kreditengagement haben auch die Zinsüberschüsse wieder zugenommen. In Übereinstimmung mit der Gewinnentwicklung der Wirtschaft, so heißt es im Geschäftsbericht, konnte der Ertrag der Bank dem Anstieg des Geschäftsvolumens nicht in vollem Maße folgen, zumal die Erfolgsrechnung durch steigende Handlungsunkosten und vor allem durch die unveränderte Höhe des Kapitalmarktzinses belastet wurde. Die Refinanzierung war im Berichtsjahr relativ einfach. Es wurden Anleihen und Kassenobligationen von 180 (160) Mill. DM neu ausgegeben. Außerdem emittierte die Bank im Berichtszeitraum für 60 Mill. DM vierjährige Kassen-Obligationen. Auf die 42 Mill. DM Aktien der Gruppe A werden wieder 10 % und auf die 36 Mill. DM Aktien der Gruppe B satzungsgemäß 5 % ausgeschüttet. Den sonstigen Rücklagen wurden 1,5 Mill. DM zugewiesen. Das haftende Eigenkapital beträgt nunmehr 100,5 Mill. = 5,3 Prozent der Bilanzsumme. -ndt