Von Werner Höfer

Unser Brot mit den Landsleuten hinter Mauer und Stacheldraht und mit allen notleidenden Völkern zu teilen, dies hat soeben Bundespräsident Heinrich Lübke den Mitbürgern ans Herz gelegt. Und einer seiner Nachfolger im Düsseldorfer Landwirtschaftsministerium, Gustav Niermann, hat den Hunger den „größten Feind des Friedens“ genannt. Gutgemeinte Worte, gesprochen am Erntedanktag 1963, am „Tag des Brotes“, und von hellhörigen Bundesbürgern als Kommentare zur gegenwärtigen Kontroverse über den Mehlverkauf an die Sowjetunion verstanden.

Am Erntedanktag, am „Tag des Brotes“, kam Dr. Hans Kroll, pensionierter deutscher Botschafter in Moskau, von seiner bayerischen „Datscha“ in die „Stadtresidenz“ zurück. Erste Frage auf Bonner Boden: „Herr Botschafter, halten Sie die gegenwärtige Brot-Krise in der Sowjetunion für echt oder für fingiert?“

„So kann man nicht mogeln!“ Und er gesteht, in den letzten Jahren keine Anzeichen für Getreidemangel und Brotknappheit in der Sowjetunion bemerkt zu haben.

„Ist das Brot auf dem Tisch der Russen ein wichtiges Nahrungsmittel?“

„Ganz gewiß. Der Russe ißt und trinkt nichts, ohne ein Stück Brot zur Hand zu haben.“

„Worin sehen. Sie die Gründe für die gegenwärtigen Schwierigkeiten?“ Dr. Kroll zögert mit der Antwort und macht den Vorbehalt, daß er nur als Privatperson ’sprechen könne, weil ihm ja lediglich Zeitungsmeldungen, doch keine diplomatischen Depeschen zugänglich seien, aber: „... in diesem riesigen Lande ist eine einheitliche Mißernte kaum möglich.“