Das ist ein Gummiparagraph, der offenbar elastisch genug war, ähnliche Lieferungen nach Rotchina und nach Polen zuzulassen. Daher die Frage: "Können die EWG oder die NATO ein Veto einlegen?"

Dr. Stalmann versichert, daß man weder in Brüssel noch in Paris ein Recht habe, Einwendungen zu erheben.

"Den Kanadiern, den Amerikanern, den Australiern und vielleicht den Argentiniern, sogar den Franzosen winkt hier eine willkommene Möglichkeit. ‚Gute Moral, gute Politik, gutes Geschäft‘ – so kommentiert die ‚New York Times‘ die Weizen-Frage. Gilt das auch für uns?"

Über Politik und Moral hat der Befragte nichts auszusagen. Das Geschäft sieht nach seiner Ansicht bei uns anders aus als bei den anderen. Was man von uns kaufen will, ist Mehl, das vermutlich zu einem erheblichen Teil, als es noch Getreide war, nicht auf deutschem Boden gewachsen ist. Die ganze Aktion würde sich mithin zu einem Transit-Geschäft vereinfachen.

"Auf deutscher Seite gibt es. eine dreifache Sorge: Wir geben etwas her, was wir selber brauchen; der deutsche Steuerzahler muß einen Subventionsgroschen zuschießen; die Russen aber lachen sich ins Fäustchen. Ist es so?"

Daraufhin sagt Ministerialdirektor Stalmann, daß durch den Verkauf von 300 000 Tonnen Mehl unsere Versorgungslage überhaupt nicht gefährdet werden könne; der deutsche Steuerzahler oder gar der deutsche Bauer erleide keinen Verlust, obwohl sich das Geschäft zum Weltmarktpreis abwickeln würde, der wiederum um fast die Hälfte niedriger ist als der gestützte Binnenpreis; die Russen schließlich dürften ihre Gründe haben, im Westen gegen bar Kasse Getreide und Mehl zu erwerben.

"Wäre es übrigens denkbar, daß von dem Mehl, das aus der Bundesrepublik in die Sowjetunion geht, einiges sich in dem Brot wiederfindet, das eine Mutter in Leipzig oder Chemnitz aufschneidet?"