Zusammengestellt und übersetzt von Franz Wallner-Basté

Wenn ein Weg ganz ausgeschritten ist, und nichts bleibt übrig, als ihn zurückzugehen, dann ist etwas Neues nahe, unausweichlich, gewiß: denn die Entfaltung des Menschengeistes kennt kein Zurück, Vielleicht lebt schon in irgendeinem Winkel unserer Heimat der unbekannte Jüngling, dem der Wille und die Kraft gegeben sind, eine italienische und zugleich europäische Epoche der Musik heraufzuführen. Giuseppe Mazzini,

„Philosophie der Musik“, 1836

Verdi an den Textdichter Piave,

4. September 1846

Anbei der „Macbeth“-Entwurf. Diese Tragödie ist eine der größten Offenbarungen der Menschheit. Wenn wir nicht etwas Großes zustandebringen, wollen wir doch versuchen, daß es wenigstens etwas nicht Alltägliches wird! Bei den Versen denke immer daran, es darf kein überflüssiges Wort darin sein. Sobald die Einleitung fertig ist, schicke sie mir bitte. Dann lasse ich Dir auch soviel Zeit, wie Du willst, denn den Grundcharakter und die einzelnen Handlungsmomente kenne ich, als wäre das Libretto schon da. Ich lege Dir ans Herz, nimm mir diesen „Macbeth“ nicht leicht. Ich bitte Dich kniefällig, betreue ihn liebevoll, zumindest um meinet- und meiner Gesundheit willen, die zur Zeit vorzüglich ist, aber sich augenblicks verschlechtert, wenn Du mir Grund zu Unruhe gibst.

Verdi an den Pächter des Pergola-Theaters in Florenz, Lanari, 15. Oktober 1846