Am 14. und 15. Oktober findet in München der X. Deutsche Bankiertag statt. Sein Vorgänger, der IX. Deutsche Bankiertag in Köln, fiel 1958 mit der Wiedereinschaltung der deutschen Banken in das internationale Finanzgeschäft zusammen. Damals war Bankier Dr. Pferdmenges sein Präsident und Bundeskanzler Adenauer sein prominentester Gast und Redner. Diesmal wird der Bankiertag auf die Anwesenheit eines Regierungschefs verzichten müssen, denn zu gleicher Zeit wird in Bann Bundeskanzler Dr. Adenauer seinen Abschied nehmen und Prof. Dr. Erhard zum neuen Kanzler gewählt werden.

Das private deutsche Bankgewerbe tritt also zu einem Zeitpunkt zusammen, an dem ein wichtiger Abschnitt der deutschen Nachkriegsgeschichte zu Ende geht und und ein neuer beginnt. Für das deutsche Bankgewerbe findet mehr als ein bloßer Kanzlerwechsel statt. Nicht zuletzt über die persönliche Freundschaft zwischen dem verstorbenen Bankier Pferdmenges und dem scheidenden Bundeskanzler gestanden zwischen dem Palais Schaumburg und namhaften Bankierpersönlichkeiten gute Kontakte, die manchmal auch diplomatischen Zwecken dienstbar gemacht worden sind. Man sollte wünschen, daß unter dem neuen Bundeskanzler ebenfalls eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Banken und Regierungsspitze Zustandekommen wird. Sicherlich, es hat in der Vergangenheit im Kreditgewerbe und im Bundeswirtschaftsministerium in zum Teil sehr wichtigen Fragen (zu erinnern wäre an die DM-Aufwertung) stark voneinander abweichende Meinungen gegeben und es ist mit gegenseitiger Kritik nicht gespart worden. Aber diese Dinge gehören schließlich der Vergangenheit an...

Der kommende Bankiertag soll der sachlichen Aussprache und nicht der Polemik dienen. Er steht unter dem Motto „Die Banken in unserer freien Wirtschaft“. Damit ist den Rednern ein breiter Bogen gespannt. Er schließt jedoch nicht das „heißeste“ Thema der Banken ein, nämlich die Frage des Wettbewerbs zwischen dem privaten Bankgewerbe und den öffentlichrechtlichen Instituten, die schon den IX. Bankiertag und seine Vorgänger beschäftigt hatte. (Über die Geschichte und den Stand dieser Auseinandersetzung berichtet unser Redaktionsmitglied Walther Weber auf dieser Seite.

Der Vorsitzende des Vorstandes des Bundesverbandes des privaten Bankgewerbes (e. V.), Dr. Gotthard Freiherr von Falkenhausen, hält eine Fortsetzung der Polemik auf dem Bankiertag im gegenwärtigen Zeitpunkt für unzweckmäßig. Er möchte zunächst einmal die Ergebnisse der vom Bundeswirtschaftsministerium in Angriff genommenen Wettbewerbsenquete abwarten. Richtig durfte sein, daß gegenwärtig weder die eine noch die andere Seite neue Gesichtspunkte ins treffen führen kann und die Wiederholung alter Argumente keinen Nutzen bringen wird.

K. W.