Funk

NORDDEUTSCHER RUNDFUNK

Sonntag, 6. Oktober, die Unterhaltungssendung:

Ein Abend für junge Hörer, die monatlich wiederkehrende Sendung unter der Leitung von Wolfgang Jäger, hatte sich diesmal die Angst zum Thema genommen. Man wollte wissen, ob junge Leute heute Angst haben, feststellen, ob sie ebenso ängstlich oder ängstlicher sind als ältere Leute oder jüngere Leute von früher, und man wollte gern wissen, was, ihnen Angst macht. Ob das Schlagwort von unserer „Zeit der Angst“ stimme, hatten die Veranstalter der Sendung wohl ergründen wollen.

Man wußte nach eindreiviertel Stunden mit Reporterfragen, Beobachtungen, einem Hörspiel und einem Gespräch mit dem Hamburger Psychiater Professor Bürger-Prinz wenigstens soviel: Das Schlagwort, das unserer Zeit bescheinigen will, sie sei mehr als jede frühere von Ängsten beherrscht, ist ein Unsinn. Die Jugendlichen, die Dethardt Bissen nach ihrer Angst fragte, fürchten sich nicht mehr oder weniges als alle Menschen „vor dem großen Knall, nach dem alles zu Ende wäre“.

Eine Siebzehnjährige sagte: „Je älter man wird, desto mehr Angst hat man.“ Ein junger Mann erzählte von Angstträumen, die er nach einem Hitchcock-Film gehabt habe. Ein junger Kaufmann erklärte, er mache seine Geschäfte mit der Angst. Leider verriet der Tüchtige mit Rücksicht auf sein Geschäft nicht, womit er handelt. Fazit der Befragungen: Mit wachsender Schulbildung nehmen Angst und Pessimismus zu. Woraus zu folgern wäre, daß bessere Einsicht zur Angst führen muß, Angst also etwas ist, das man haben sollte. In einem anderen Sinne fand das auch Bürger-Prinz nötig: „Eine Welt ohne Angst wäre ein Friedhof.“ Ruth Herrmann