1940 vergessen

Der „Economist“ (Nr. 6267) meint:

Vieles in der Haltung der Briten den Deutschen gegenüber ist falsch; wenn man zögert, Dr.Adenauer das einzuräumen, so deshalb, weil er – ungleich zahlreichen Deutschen – mittlerweile felsenhart dagegen ist einzuräumen, was auf dem anderen Blatte der Bilanz steht, und weil kein anderer deutscher Politiker in seinem Herzen soviel Mißtrauen dem deutschen Charakter gegenüber hegt wie er. Was ist nun zu tun, da die deutsche Politik vor einer neuen Phase steht, in der der Zusammenbruch der Verständigung zwischen Adenauer und den Briten als Vergangenheit abgetan werden kann?

Dr. Adenauer (dem wir unsere Grüße und unseren Respekt darbringen) wird kräftig behaupten, dies starke, aber aussterbende Mißtrauen rühre aus der tiefen Verschiedenheit der Meinungen darüber, wie Europa zu einigen sei, oder daß die Briten die Russen zu beschwichtigen oder sich bei den Amerikanern einzuschmeicheln suchten – oder die Sache im Stich ließen. Das ist es aber

nicht; es ist ein von der Geschichte hinterlassenes Überbleibsel von Gegnerschaft und Unverständnis, das schon lange hätte überwunden werden müssen. Adenauer gedenkt seinen persönlichen Kampf gegen die Bemühungen fortzusetzen, das Gesicht der internationalen Politik zu verändern; aber er wird die deutsche Nation nur soweit auf seiner Seite haben, als sie nicht begreift, worum es eigentlich geht.

Und wenn es ihm gelingen sollte, die Deutschen weiterhin davon zu überzeugen, daß Großbritannien weich ist oder unzuverlässig, so wird das daran liegen, daß die Briten, sei es durch Trägheit, sei es durch Vorurteil oder Gewohnheit, nicht klarzumachen vermögen, wo sie stehen, was sie wollen, was ihnen wichtig ist und was nicht. Sie müßten und sie sollten auch nicht Adenauers heute überholte Haltung in der Außenpolitik nachahmen. Was sie aber tun müßten in ihrem Umgang mit den Deutschen ist dies: 1940 vergessen und sich dem Deutschland der Nach-Adenauer-Ära zuwenden.

Ärger für Amerika