Billig verkauft

Neuer Aufsichtsratsvorsitzender der Rudolf Hussel AG (Hagen/Wesff.) wurde der Frankfurter Bankdirektor Hans Götz und stellvertretender AR-Vorsitzender der Hamburger Finanzkaufmann Erwin Rattermann. Der bisherige AR-Vorsitzende, Konsul Rudolf Hussel, hatte vor einigen Wochen seinen Posten zur Verfügung gestellt,weil es zwischen ihm und dem „Groß-Einzelhändler“ Herbert Eklöh zu Meinungsverschiedenheiten gekommen war. Hussel hatte seinem Freund Eklöh 95 % des Gesellschaftskapitals von 6 Mill. DM zum Kurs von – wie man hört – 300 Prozent verkauft. Dadurch wurde Eklöh Großaktionär und Generaldirektor der Hussel AG. Er veräußerte 44 % des Aktienkapitals weiter zum Kurs von 425 % an die Pariser Bank Morgan & Cie, die den Posten ihrerseits zum Kurs von rund 455 % in kleinen Beträgen im Ausland unterbrachte. Inzwischen ist ein Teil der Aktien des Süßwarenhandelunternehmens wieder in die Bundesrepublik zurückgekehrt und zum Kurs von ca. 490 % an der Hanseatischen Wertpapierbörse handelbar. Wie sich also nachträglich herausstellt, hat sich Konsul Hussel von der ihm einst allein gehörenden Gesellschaft zu einem sehr niedrigen Preis getrennt. In der Zeit vom Januar bis September 1963 erreichte die Hussel AG einen Umsatz von 23,4 Mill. DM gegenüber 21,5 Mill. DM im Vergleichszeitraum dem Vorjahres. Noch im laufenden Jahr wird die Gesellschaft in Berlin, wo sie bisher noch nicht vertreten war, 15 Filialen eröffnen.

Anlaufverluste sind normal

Die Erdölraffinerie Ingolstadt AG, eine Tochtergesellschaft der Südpetrol AG für Erdölwirtschaft, die wiederum zum italienischen Staatskonzern ENI gehört, schloß das Geschäftsjahr 1962 mit 1,4 Mill. DM Verlust ab, der sich durch den Vortrag auf 1,95 Mill. DM erhöht. Der Verlust der Südpetrol selbst beträgt 1,8 Mill. DM, so daß beide Unternehmen per 31. Dezember ein Defizit von 3,2 Mill. ausweisen. Dieser Betrag dürfte sich im laufenden Geschäftsjahr weiter erhöhen. Die Erdölraffinerie Ingolstadt AG ist ebenso wie ihre Muttergesellschaft mit 25 Mill. DM Aktienkapital ausgestattet. Im Rahmen des Baus der ENI-Raffinerie in Ingolstadt wurde das Anlagevermögen kräftig von 2,8 auf 15,4 Mill. erhöht. Die Verluste sind keineswegs ungewöhnlich; in Anlaufjahren müssen sie in Kauf genommen werden. Aus diesem Blickwinkel heraus wäre die Entwicklung bei der Erdölwerke Frisia AG ebenfalls mit Verständnis zu betrachten, wenn die frühere Leitung dieses Unternehmens bei den Vorzugsaktionären nicht den Eindruck erweckt hätte, sie können nach kurzer Zeit mit Dividenden rechnen.