In New York muß es schön sein, besonders in der heißen Zeit, Ein Freund von mir erzählte, daß dort die Büromädchen immer nur darauf warten, sich der Hitze wegen dafür entschuldigen zu können, daß sie ohne Hüft- und Büstenhalter umherlaufen. Und New York ist eine Millionenstadt!

Aber wahrscheinlich ist das auch nur so ein Gerede wie das von der deutschen Büromode. Wenn den Redakteuren zwischen den Saisons nichts mehr einfällt, gibt’s in den Zeitschriften seitenweise entzückende Mädchen, die auf Schreibmaschinen starren oder in Telephonmuscheln lächeln und dabei die aufregendsten Kleider tragen. Das heißt dann: Karrierestil für Erfolgreiche. Oder: So sieht ihr Chef Sie gern! Auch wenn ich noch kein Chef bin – aber ich muß sagen: So würde ich die Damen, zwischen denen zu arbeiten ich die Ehre habe, auch ganz gern sehen.

Aber meine Damen tun im Büro anderes: Sie tragen auf. Sie ahnen natürlich nicht, was sie mir damit antun. Es ist nicht die Eitelkeit, weil man sich auf eine Ebene mit den alten Schreibtischen gerückt fühlt, an denen sich die Damen Laufmaschen in Strümpfe und Löcher in die Pullover reißen. Es ist. einfach die blinde Verschwendung! Wenn ihnen doch mal einer vorrechnete, daß kein Mann sie so ununterbrochen und lange und intensiv vor Augen hat wie ich! Mindestens acht Stunden am Tag. Was für eine Vorstellung soll ich denn nun von Frauen, ganz im allgemeinen, entwickeln, wenn sie vor mir nur alte Sonntagskleider verschleißen? Und wenn’s nicht das Abgelegte ist, dann sind es die ewigen Röcke und Pullover. Immerhin, kurze Röcke sind nicht unkeß, und ich wäre ja auch schon für wenig dankbar.

Acht Stunden am Tag! Wer trägt nur die Bürogewänder aus den Modeheften? Wenn mir ein Kleid oder ein Kostüm vor Augen kommt, dann ist es aus „praktischem grauen Flanell“ oder wie der Stoff heißt. „Schmutzt nicht“, sagen die Mädchen. Mag sein. Schmückt aber auch nicht. Warum gönnt man mir nicht mal etwas Farbe? Schmutzt Grün mehr als Grau? Ist Rotes weniger durabel? Warum kein Schmuck?

Aber ich wage es nicht einmal, den Damen ein bißchen Jolie Madame oderVent Vert oder Shalimar zu schenken, damit es bei mir nicht nur nach Staub und nassen Regenmänteln und Joghurt riecht. Mein Freund hat das nämlich mal gemacht, und da hat ihn seine Sekretärin empört gefragt: „Finden Sie, daß ich das nötig habe?“, und er hat vierzehn Tage lang nur sandfarbene heiße Brühe statt Kaffee bekommen.

Aller Glanz ist eben nur für die Leute in der Straßenbahn. Morgens, wenn die Damen kommen, sind die Lippen blank und rot und sanft geschwungen. Um zehn, nach der ersten Tasse Kaffee, ist nur noch ein Rot-Rand übrig, der mich den ganzen Tag lang irritiert. Morgens, kommen sie mit dem aufregenden Gang, den Frauen in Schuhen mit hohen Absätzen haben. Kaum sitzen sie an ihrem Platz, schlurfen sie in alte ausgeleierte Schuhe, die keine sind, und schlappen mir die Jugendträume tot.

Und dann nennen sie mich einen Wüstling, weil ich mir den Playboy kaufe und auf den Büroschreibtisch lege.

Maximilian Grünne