Von Manfred Gall

Lebten Hans Dominik und Jules Verne noch, sie hätten wahrlich Stoff genug, noch kühnere Zukunftsbilder zu entwerfen, als sie es einst getan haben. Dabei brauchten diese Zukunftsbilder gar keine abenteuerlichen Phantasiegebilde zu sein. Und die Fragen, wie im Jahre 1970 welche technischen Hilfsmittel wir wohl im Büro oder in der Fabrik ganz selbstverständlich benutzen werden, und wie wohl der Büroalltag in einigen Jahren aussehen wird, fänden Antworten, die ziemlich die Wirklichkeit träfen.

Fangen wir an: Mit der elektronischen Datenverarbeitung tritt an die Stelle eines subjektiven Gefühls ein objektives Maß in Form konkreter Informationen, besser: in Form von exakten Daten. Die Auswirkungen alternativer Entscheidungen können überprüft, der für das Unternehmen beste Weg kann ausgewählt werden. Etwa: Verändert sich plötzlich der Markt: Die elektronische Datenverarbeitung liefert in kürzester Zeit eine detaillierte Analyse, die der Unternehmensleitung rasch zu reagieren erlaubt.

In der Tat wäre es denkbar, daß der Unternehmer der Zukunft kaum noch ein Stück Papier in seine Hände bekäme, daß er sofort von seinem Schreibtisch aus jede Information erhielte, die er wünscht. Weder belagerten Akten seinen Schreibtisch, noch wäre eine Ablage für seine Sekretärin nötig oder Kopien seiner Briefe für bestimmte Abteilungen. Keine Post flatterte mehr auf seinen Tisch – denn jeden Morgen würde er die Post auf Verlangen auf einem Bildschirm sehen und die Antworten in ein Mikrophon diktieren; Und während die Sekretärin diese Antworten auf der Schreibmaschine tippte, würden sie zugleich in ein Datenverarbeitungssystem wandern und, immer gegenwärtig, gespeichert.

Ganz zweifellos werden sich die Funktionen des Büros in den nächsten Jahren völlig ändern, und noch mehr: auch seine technische Ausstattung und die Qualifizierung des Personals. Ich behaupte sogar, daß es das Büro von heute in zwanzig Jahren kaum noch geben wird. Die Verwandlung hat schon begonnen. Es wird sogar keine zehn Jahre mehr dauern, bis die grundsätzlichen Auswirkungen deutlich werden. In ein paar Jahren schon wird das Büro seinen Arbeitsbereich ungewöhnlich ausdehnen.

Dabei wird die elektronische Datenverarbeitung sicherlich zum entscheidenden Volkswirtschaftlichen und soziologischen Phänomen des nächsten Jahrzehnts werden. Und sie wird – wie einst Elektrizität und Telephon – nicht lange Sensation bleiben, sondern Selbstverständlichkeit werden. Die Dynamik der Wirtschaftlichen Entwicklung in Europa und außerhalb unseres Kontinents wird einfach dazu zwingen, sich dieser Werkzeuge auf allen Gebieten eines Unternehmens zu bedienen (und die Möglichkeiten dazu bestehen heute schon).

Indessen, es sind nicht nur elektronische Datenverarbeitungssysteme, die Wirbel ins alte Büro bringen. Man kümmert sich auch darum, andere Hilfsmittel zu verbessern, an die sich der Mensch längst gewohnt hat. Warum, zum Beispiel, sollte nicht das Telephon vervollkommnet und leistungsfähiger werden? Hier taucht nicht von ungefähr die ganz real gedachte Frage auf, ob nicht auch die automatische Sprachübersetzung für weltweite Handelsbeziehungen hilfreich sei. Eine Nachricht, beispielsweise als Fernschreiben in der eigenen Sprache gesendet, wird maschinell übersetzt und gleich in der Sprache der fremden Länder empfangen. Geschäftsleute könnten so direkte Verbindung mit Kunden, Produktionswerken, Vertretern und Verkaufsstellen in der ganzen Welt pflegen. Im Jahre 2000 sollte es dann wohl möglich sein, in einer Sprache ins Telephon zu sprechen und am anderen Ende, sozusagen simultan, die übersetzte Version ankommen zu lassen.