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NORDDEUTSCHER RUNDFUNK

Mittwoch, 9. Oktober, das Hörspiel:

Eine historische Figur, die Venezianerin Caterina Cornaro, lieferte Marie Luise Kaschnitz den Stoff dieses Hörspiels (das übrigens zusammen mit neun anderen Hörspielen der Autorin im Claassen Verlag erschienen ist). Das Hörspiel besteht aus einer Anzahl impressionistisch skizzierter Szenen, in ihnen wird das kurze, junge Leben der Caterina Cornaro erzählt, die nach dem Willen des Großen Rates und des Dogen von Venedig Königin von Zypern wurde. (Bekanntlich wurde diese Insel ein knappes Jahrhundert lang von Venedig beherrscht – das es dann an die Türken verlor.) Diese Historie liefert Rahmen, Stimmung – und den schönklingenden Namen des Titels.

Stoff des Hörspiels ist die Verwandlung eines vaterländisch (oder vaterstädtisch, wenn man so will) enthusiasmierten Mädchens in eine Frau, die wegen ihrer Liebe zu einem Mann von Venedig verbannt wird. Der kaum mehr als hingetupften Schlußszene mit schön erzählter Parabel, Ahnungen, Mummenschanz und Feuerwerk entnimmt der Hörer am Radio ein wenig unklar, was schließlich aus Caterina Cornaro wird. Sie findet ihren Geliebten, soviel ist sicher – ob wirklich oder geträumt, ob zum Leben oder zum Sterben, das ist nicht so wichtig. Der Kaschnitz geht es um den Sieg der Liebe.

Die Gestalten des Hörspiels leben nur wie in alten Bildern – der Regisseur Hans Rosenheuer inszenierte sie, wie es ihnen zukam. Die Poesie des Textes ist mit einer gehörigen Portion Sentiment beladen. Der Sprecherin der Caterina, Maria Häussler‚ war es zu danken, daß sie dem klar und in Dur entgegensprach. R. H.