Von Hans-Joachim Knigge

Wir sind gerade dabei, das Büro in seiner „sozialpsychologischen Innenstruktur“ neu zu entdecken. Gleichwohl: Was es mit dem Wesen Büro auf sich hat, meint jeder zu wissen. Wissen wir’s wirklich?

Was ein Kürbis ist, weiß aber bestimmt jeder.

Was beide miteinander zu tun haben, bleibt so lange unerfindlich, bis sich der alte Lateiner an Seneca und seine satirische Spottschrift auf den römischen Kaiser Claudius erinnert. Der Titel „Apocolocynthosys“ heißt zu deutsch die „Verkürbissung“ oder „Die Verwandlung in einen Kürbis“. Seneca fand den Anlaß zu seiner Satire nach achtjähriger Verbannung auf die Insel Korsika – die er dem Kaiser Claudius verdankte – in der Tatsache, daß dieser ihm so wohl affektionierte Herrscher nach seinem Tode offiziell zum Gott erklärt wurde. In einer höchst geistvollen Satire wird nun der Kaiser in einen Kürbis verwandelt.

Ja, und? Nun, der Kürbis galt bei den Römern als Symbol der Dummheit.

Literarisch „verkürbist“ wird das Büro zur Zeit genug.

Es hat an Satiren über die harmlos bescheidene Bürokratenintelligenz in den letzten Jahren wahrlich nicht gefehlt: Zwei Bücher des inzwischen berühmt gewordenen Professors C. Northcote Parkinson erreichten in der Bundesrepublik unter dem Titel: „Parkinsons Gesetz“ und „Favoriten und Außenseiter“ ausgesprochene Bestseller-Auflagen, genauso wie zuvor in den angelsächsischen Ländern.’ Vance Packards „Unsichtbare Schranken“ mit den nach Rangstufen gewählten Farben von Deckeln an stillen Örtchen oder die „Pyramidenkletterer“ zeichnen die Sisyphuslaufbahn des modernen Managers ebenso wie die entzückende Studie Eberhard Masebergs den „Kampf um den Stuhl“, der Kürbisköpfe sehr feinsinnig glossiert.