Alle schimpfen über den Rummel – und jeder fährt immer wieder gern hin

Von Petra Kipphoff, Rudolf Walter Leonhardt, Dieter E. Zimmer

Wird’s bei Frankfurt bleiben?

Das alte Bild, zum fünfzehntenmal und sicher ganz anders als beim erstenmal, größer, bunter, gedrängter. Aber da dem Gedächtnis die jüngste Erinnerung am nächsten liegt, vergleicht es mit dem des Vorjahres und bemerkt wenig Unterschiede: 1271 Stände, vom R. Brockhaus Verlag, Wuppertal (Stand Nummer 1), bis zu Mairs Geographischer Verlag, Stuttgart (Stand Nummer 1271), in fünf Hallen, von der kioskartigen Einzelkoje des Kleinverlages, die für 600 DM Miete zu haben ist, bis zur großzügigeren Doppelkoje à 1500 Mark: Bücher, Bücher, Bücher ... Menschen, Menschen, Menschen – große und kleine, schreiende und vornehm zurückhaltende, erfolgreiche und vergebens des Erfolgs harrende; ein paradiesisches Inferno, ein infernalisches Paradies.

Messemüde Mitmenschen können die begeisterten Lobesworte, welche am Anfang erklingen, am Ende nicht wiederfinden. Und das ist schade: Denn wenn eine internationale Buchmesse sein muß (was eigentlich von keinem der wirklich Beteiligten ernsthaft bezweifelt wird), dann kann sie nicht besser gemacht werden als die in Frankfurt.

An dieser Tatsache sind bisher auch alle Pläne gescheitert, die Buchmesse in jedem Jahr in einer anderen Stadt Europas abzuhalten. Der jüngste Plan: nächstes Jahr im Juni wird eine Super-Buch-Schau im riesigen Ausstellungsgelände von Earls Court (London) stattfinden. Aber nicht einmal die englischen Verleger, bei denen sich Anti-Frankfurt-Gefühle am deutlichsten beobachten lassen, glauben daran, daß London so schnell eine ernst zu nehmende Konkurrenz für Frankfurt werden kann.

Dennoch wären die Stadtväter gut beraten, nicht unverbrieften Rechten zu vertrauen und Klagen nicht allzu leicht zu nehmen – Klagen wie: Es gibt für den Messebetrieb zu wenig Taxis in einer Stadt, wo sich die Benutzung des eigenen Autos dem Ortsfremden besonders wenig empfiehlt. Oder auch: Die Terminwünsche des Börsen Vereins sollten sehr sorgsam erwogen werden, Mitte Oktober ist eben eigentlich doch zu spät im Jahr – obwohl viele Verleger noch immer nicht fertig geworden waren und große Mengen jener mühelosen Lektüre ausgestellt hatten, welche aus einem erwählten Umschlag besteht, der gänzlich unbeschriebene Blätter in sich birgt.