Wolfgang Krüger: „Bauer oder Bettelmann“, ZEIT Nr. 40

Ihrem Beitrag würde man vorbehaltlos zustimmen können, wenn Sie nicht in den Mittelpunkt die Worte gestellt hätten: „Diese niederschmetternde Bilanz siebenjähriger Bemühungen um die finanzielle Besserstellung der landwirtschaftlichen Bevölkerung ist nicht, wie der Bauernverband meint, die folge einer falschen Wirtschaftspolitik. Sie ist ein klarer Beweis für die Unzulänglichkeit des in der Agrarpolitik eingesetzten Instrumentariums“. Hiermit, mit einer solchen Aussage, stellen Sie das ganze und weltweit so schwierige Problem nach meinem Dafürhalten einfach auf den Kopf?!

Ist es nicht vielmehr so, daß die Landwirtschaft mit ihren Erlösen seit etwa 1950 blockiert worden ist, während rings herum die Preise stiegen? Damit war die Landwirtschaft auf der Kostenseite einem schnellen Trend nach oben ausgeliefert, jedoch konnte sie sich auf der Einnahmenseite keinen Ausgleich schaffen.

Wenn man sich nun nicht dazu entschließen konnte, die Erlöse für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse zu erhöhen, dann blieb ja nur die andere Lösung, Subventionen zu zahlen. In Wirklichkeit haf man diese Subventionen jedoch von Anfang an verwässert. Man hat in die Grünen Pläne Aufgaben des ordentlichen Haushaltes hineingesteckt und man hat die Hälfte der Subventionen zu Strukturverbesserungen (Aussiedlungen und Flurbereinigungen) verwendet. Hiermit war aber keine Breitenwirkung zu erzielen. Denn dieser Teil der Hilfe ging an einen nur sehr kleinen Teil der landwirtschaftlichen Betriebe und wurde bald wieder illusorisch; denn ein 5 ha Hof – aufgestockt zu einem 12 ha Hof – mußte schon bald infolge der allgemeinen Wirtschaftsdynamik wieder als überfällig erkannt werden.

Dr.-Ing. E. h. Richard Reinhardt, Bad Pyrmont

über Ihren Artikel „Bauer oder Bettelmann“ habe ich mich sehr gefreut, da er mir die einzig logische Möglichkeit zur Lösung der Krise in der Landwirtschaft anzudeuten scheint.

Ohne Zweifel ist die Forderung nach einer Erhöhung des bäuerlichen Einkommens durchaus gerechtfertigt; umstritten ist nur, wie dieses Ziel erreicht werden soll. Nach meiner Meinung wird der Weg, den der Bauernverband hier einschlägt, den Forderungen der Zeit in keiner Weise gerecht. Eine dauerhafte Sanierung der deutschen Landwirtschaft ist durch immer höhere Subventionen auf Agrarprodukte, Düngemittel und Maschinen nicht möglich, sondern nur durch eine durchgreifende Rationalisierung und Rentabilisierung zu erreichen. Da letzteres jedoch weitgehend eine nicht zu unterschreitende Mindestgröße des Betriebes bedingt, muß eine realistische Agrarpolitik auf eine scharfe Reduzierung der Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe hinarbeiten, um den nach diesem Ausleseprozeß noch verbleibenden Höfen eine rentable Größe zu sichern.