mp. Berlin, Mitte Oktober

Das Bundeskartellamt hat sich wieder einmal daran gemacht, eine harte Nuß zu knacken. Es hat zwei Hersteller von Grobwaschmitteln, die Firmen Henkel u. Cie. und die Sunlicht Gesellschaft aufgefordert, eine angeblich mißbräuchliche Handhabung der Preisbindung bei den Erzeugnissen Persil und Sunil (gebundener Verbraucherpreis 1,40 DM) abzustellen, anderenfalls es die Preisbindung aufheben werde.

Gut zwei Jahre hatten die Ermittlungen des Amtes gedauert, bis es sich entschließen konnte, die „Abmahnungen“ per Post abzuschicken. Das Kartellamt hält nach seinen Ermittlungen die Spanne bei diesen Artikeln für zu hoch, die Preisbindung verhindere also ein Sinken der Verbraucherpreise, wie es sich bei freien Preisen durch den Wettbewerb zwangsläufig einstellen würde. Der Einzelhandel werde nur durch gebundene Preise gehindert, billiger zu verkaufen.

Die Großhandelspreisbindung bei den beiden genannten Artikeln ist bereits 1958 nach kurzer Dauer wieder aufgehoben worden. Danach kamen unverbindliche Richtpreise, die sich auch nicht halten konnten. Unter dem Druck des Einzelhandels verlagerte sich der Wettbewerb mehr und mehr auf die Großhandelsstufe. Zusammen mit den strukturellen Veränderungen innerhalb des Handels – Bildung von Cash- und Carry-Betrieben im Großhandel und Einkaufsvereinigungen oder Ketten im Einzelhandel – mußte sich das auf die Abgabepreise des Großhandels auswirken. Während diese sanken, konnte der beim Großhandel beziehende Einzelhändler seine Spanne erhöhen, denn der Endpreis war gebunden und blieb konstant. Der zusätzlich entstandene Spannengewinn für den Einzelhandel wird auf 10 Pfennig geschätzt. Das Kartellamt möchte ihn an die Verbraucher weitergegeben sehen.

Das war für den Handel ein Alarmzeichen. Er war anderer Meinung und wollte in die Gespräche, die inzwischen bei der Kartellbehörde in Berlin am Platz der Luftbrücke mit den Herstellern der Waschmittel begonnen hatten, eingeschaltet werden. Erst nach Zögern war das Kartellamt dazu bereit. Denn ein offizielles Mißbrauchsverfahren war noch nicht im Gange, eine Beiladung der Beteiligten also kartellrechtlich noch nicht zwingend. Anfang Oktober konnten fünf Handelsverbände, deren Mitglieder Waschmittel verkaufen, in Berlin denn ihre Ansichten vortragen.

Die Argumente waren nicht neu. Sie seien gar nicht in der Lage, die Spannenaufbesserung an den Verbraucher weiterzugeben, meinte der Handel. Man sei schon jahrzehntelang gegen die ungenügende Spanne Sturm gelaufen, nur wegen der starken Stellung der Waschmittelindustrie habe man sich nicht durchsetzen können. Inzwischen sei auch das Sortiment an Waschmitteln größer geworden. Der Handel müsse eine entsprechend größere Lagerhaltung finanzieren, die Umschlagsgeschwindigkeit habe sich verlangsamt und die Vertriebskosten je Stück seien gewachsen. Dazu kämen noch die anderen Kostenerhöhungen, die jeder kenne.

Der Einzelhandel weiß, daß eine Senkung des gebundenen Verbraucherpreises ihn zwar nicht die volle Spannenverbesserung kosten würde, aber er kämpft dennoch zäh. Wer gibt schon gern einmal Erreichtes wieder auf? Nicht nur der Großhandel hat rationalisiert. Auch der Einzelhandel hat große Anstrengungen unternommen, um mit dem Strukturwandel Schritt zu halten und seine Kosten zu senken. Dazu hat ihn der Wettbewerb veranlaßt. Wenn das Kartellamt der Auffassung ist, es habe sich auf der Großhandelsstufe ohne Preisbindung ein neuer, niedrigerer Marktpreis herausgebildet, der den alten Verbraucherpreis nicht mehr rechtfertige, so ist da schon etwas dran. Denn bei Anmeldung der Preisbindung sprach man von einem Großhandelsabgabepreis von 1,10 DM, jetzt ist von 1,– DM die Rede.