Hans Joachim von Merkatz: In der Mitte des Jahrhunderts. Albert Langen-Georg Müller Verlag, München. 323 Seiten. 19,80 DM.

Ein Angehöriger des pommerschen Adels kommt in den Westen und wird Minister der demokratischen Bundesrepublik. Ein Konservativer muß sich mit dem neuzeitlichen Massenstaat auseinandersetzen. Dabei kommt er zu eigenen und selbständigen Ergebnissen. Er hat sie in Aufsätzen und Reden niedergelegt, die er jetzt veröffentlicht. Wie Merkatz den Stolz auf die preußische Geschichte und modernes Denken miteinander zu vereinigen weiß, das wird deutlich in der schönen Rede zum Gedächtnis Friedrich Wilhelms IV. Merkatz macht die aufhellende Bemerkung, daß Friedrich Wilhelm weder zum Kulturkampf noch zum Sozialistengesetz die Hand gereicht hätte, genauso wie ihm die verflachende Geisteshaltung zuwider gewesen wäre, die im modernen Imperialismus gipfelte. Auch Merkatz bezweifelt nicht, daß Friedrich Wilhelm zwar vieles erahnt habe, daß er aber kein Feldherr und kein Staatsmann gewesen sei. Aber, so schließt die Rede: „Er war ein König des Wortes vornehmster Bedeutung.“

In einem Vortrag über die Aufgabe des europäischen Adels in unserer Zeit sagt Merkatz, Lüge und Feigheit als Kollektivsünde ermöglichten diktatorische Gewalt. Die Freiheit wird im Streben nach Wahrheit und Wahrhaftigkeit erhalten. „Über allem aber steht die Barmherzigkeit.“

Das Buch kann allen denen helfen, die sich mit der Frage beschäftigen, wie eine neue Elite gebildet werden kann. R. H.