Vor wenigen Tagen fand das Geschäftsjahr 1962/63 bei dem „Gros“ der westdeutschen Montangesellschaften seinen Abschluß, und die Vorbereitungen für die neue Bilanzsaison laufen bereits auf vollen Touren. Damit hat auch wiederum das Rätselraten um die zu erwartende Stahldividende eingesetzt.

Auftriebstendenzen für die Montankurse sind von den demnächst im Revier zu erwartenden Dividendenentscheidungen ganz sicher nicht zu erwarten. Im Gegenteil, den unverbesserlichen Optimisten hat gerade die Dortmund-Hörder Hüttenunion AG eine Lektion erteilt! In einer ersten Verlautbarung über das soeben abgelaufene Geschäftsjahr heißt es ganz schlicht, es müsse mit einem Ausfall der Dividende gerechnet werden... Kein sehr verheißungsvoller Auftakt für den Bilanzreigen der Montanindustrie, deren Misere sich in der Erklärung des Dortmunder Werkes eindeutig darstellt. Wenn dabei natürlich auch zu berücksichtigen ist, daß die Hüttenunion nicht unbedingt den Vergleichsmaßstab setzt für alle westdeutschen Hüttenwerke.

Das Dortmunder Unternehmen, dessen Großaktionär die niederländische Hoogovens-Gruppe ist, rangiert in der Ertragsskala der Stahlindustrie am untersten Ende. Der Abstand zu den „glücklicheren“ Stahlerzeugern an der Ruhr hat sich gerade in den letzten beiden Jahren bei dem allgemein schärfer gewordenen Wettbewerb am Stahlmarkt erheblich vergrößert. Bereits im letzten Geschäftsjahr hatte die Hüttenunion-Verwaltung – den AR-Vorsitz hält Bankier Hermann Josef Abs – die Dividende auf 6 % senken müssen. Auch als in der Branche nahezu einmütig die Standarddividende von 12% so gut wie spielend gezahlt werden konnte, mußten sich die Hüttenunion-Aktionäre mit 9% begnügen.-Der Dividendenausfall bei diesem Unternehmen bedeutet deswegen noch nicht den Beginn einer Serie von gleichlautenden Hiobsbotschaften, wohl aber werden die Montanaktionäre sich darauf einzustellen, haben, daß sie auch bei anderen Stahlpapieren eher unangenehme als angenehme Überraschungen erleben werden.

Die Hüttenunion-Verwaltung hatte schon in der letzten Hauptversammlung den Ernst der Lage des Unternehmens eindeutig geschildert. Die damals geäußerten Befürchtungen über weitere Ergebniseinbußen hätten sich in „erheblichem Umfange bewahrheitet“, heißt es jetzt in dem Überblick der Gesellschaft. Der Umsatzrückgang des Geschäftsjahres 1962/63 liegt bei etwa 14%; der Umsatz betrug 833 Mill. DM, er war im Vorjahr bereits um 11 % zurückgegangen. Ein derartiger Abfall gegenüber dem 1956/57 erzielten Spitzenumsatz der Gesellschaft in Höhe von 1,14 Mrd. DM ist kaum bei irgendeinem anderen Hüttenwerk an Rhein und Ruhr zu verzeichnen.

Wie die Verwaltung mitteilt, werden die im Juli dieses Jahres beschlossenen Rationalisierungsmaßnahmen planmäßig durchgeführt. Das Oxygenstahlwerk in Hörde übernimmt in Kürze die Produktion des Thomaswerkes in Dortmund, das dann stillgelegt wird. Die Belegschaft wurde im Laufe des letzten Geschäftsjahres um 1400 auf 18 000 Mann verringert. n.