DIE ZEIT

Die zweite Phase

Die Geschichte liebt es zuweilen, sagt Jacob Burckhardt, sich in einem Menschen zu verdichten. Sie hat es während der vergangenen vierzehn Jahre auch in Deutschland wieder getan, das in der Person Konrad Adenauers sein Symbol fand, seinen Kristallisationskern und sein Resümee.

Wir sind zufrieden

Jahrelang haben verschiedene Stellen versucht, eine gesetzliche Grundlage zur Beschränkung des Postgeheimnisses ausarbeiten zu lassen, so wie es im Artikel 10 des Grundgesetzes vorgesehen ist.

Kein neuer Frost

Andrej Gromyko hat Pech. Wenn er auf dem weißen Sofa im ovalen Arbeitsraum des Präsidenten der USA sitzt, muß er entweder schwindeln oder überrascht sein, weil er die Wahrheit nicht kennt.

Sowjet-Drohung bei Babelsberg

Der jüngste Zwischenfall auf der Autobahn nach Berlin stand an Dramatik den Ereignissen nicht nach, die sich Ende Oktober 1961 in der Friedrichstraße abspielten.

Der Abschied

Der Alte bedankte sich "beim Bundestag und unserem deutschen Volk", stieg vom Podium, nicht hinauf zum Platz des Bundeskanzlers, sondern hinab auf den Platz, den der Abgeordnete Adenauer von jetzt an einnehmen wird.

Erhards neues Kabinett

Schon hatte sich Adenauer als Kanzler vom Bundestag verabschiedet, da stand Erhards Kabinettsliste noch immer nicht fest. Denn noch wußte er nicht, wen er an Stelle des aus dem Kabinett ausscheidenden FDP-Mannes Mischnick zum Bundesvertriebenenminister machen sollte.

Wolf gang Ebert:: Der vierte Mann

Wie habe ich mich immer gefreut, wenn ich las oder hörte, daß sich Staatsmänner, wenn sie einander besuchten, wieder so fabelhaft verstanden hatten: wie sie bei ihrem Treffen, das der Verst\ändigung zwischen ihren beiden Völkern und der Vertiefung ihrer Freundschaft diente, Fortschritte erzielen konnten und ihre Begegnung schließlich im Zeichen eines großen Erfolges stand – was anscheinend nicht vorauszusagen war –, und wie die Gespräche der beiden großen Männer in voller Offenheit geführt wurden und man alle schwebenden Fragen – das beruhigt mich immer sehr – dabei behandelt habe und völlige Übereinstimmung der Ansichten dabei erzielt werden konnte, womit ein wertvoller Beitrag zum Frieden in Europa und der Welt geleistet wurde.

Zeitspiegel

Achmed Ben Bella kämpft an zwei Fronten. Die von seinem gefährlichsten innenpolitischen Gegner, Ait Ahmed geführten rebellierenden Berber haben ihm „Kampf bis zum letzten Blutstropfen“ geschworen.

Globkes Nachfolger

Die Ernennung des bisherigen Staatssekretärs im Bundeswirtschaftsministerium zum Staatssekretär im Bundeskanzleramt ist zu begrüßen.

Ein „Schlußstrich“ wurde nie gezogen

Die deutsche Öffentlichkeit erfuhr zum letzten Wochenende, unter die Abhör-Affäre sei ein „Schlußstrich“ gezogen worden, der „Abschlußbericht“ liege vor, „Mißbrauch in der innenpolitischen Auseinandersetzung“ habe sich nicht ergeben.

Ludwig Erhard

Es war in den letzten Kriegsmonaten in Berlin", erzählte einmal Theodor Eschenburg, "fast jede Nacht gab es Fliegeralarm, im Luftschutzkeller traf man sich.

Die Kür der Konservativen

Der Führer der konservativen Partei wird nicht gewählt, er wird „erkannt“. Die „traditionellen Methoden“, von denen Macmillan in seinem Rücktrittsbrief an die in Blackpool tagende Parteikonferenz so aristokratisch zuversichtlich sprach, sind in keinem Buch verzeichnet.

Justiz und Presse

Vom 16. bis 19. Oktober findet in Kassel der diesjährige Deutsche Richtertag statt. Sein Hauptthema lautet: „Richter und Staatsanwalt im Blick der Öffentlichkeit“ – wahrlich eine aktuelle Problematik.

Ein konservativer Politiker

Ein Angehöriger des pommerschen Adels kommt in den Westen und wird Minister der demokratischen Bundesrepublik. Ein Konservativer muß sich mit dem neuzeitlichen Massenstaat auseinandersetzen.

Unser Jahrhundert

Diese Geschichte unseres Jahrhunderts hat sich, seitdem sie zum erstenmal erschienen ist, schon viele Freunde erworben. Ältere und jüngere Staatsbürger, die noch keine genauen Kenntnisse von dem staatlichen Leben unserer Zeit haben, können besonders viel Gewinn aus ihr ziehen, da sie nichts voraussetzt als den Wunsch, diese Kenntnisse zu erwerben.

Aus fremden Federn

Vieles in der Haltung der Briten den Deutschen gegenüber ist falsch; wenn man zögert, Dr.Adenauer das einzuräumen, so deshalb, weil er – ungleich zahlreichen Deutschen – mittlerweile felsenhart dagegen ist einzuräumen, was auf dem anderen Blatte der Bilanz steht, und weil kein anderer deutscher Politiker in seinem Herzen soviel Mißtrauen dem deutschen Charakter gegenüber hegt wie er.

Guisan und die Rettung der Schweiz

Die Schweiz hatte es schwer im Zweiten Weltkrieg. Hans Frölicher, der frühere Gesandte in Berlin, hat in seiner Schrift dargestellt, daß die Politik des Bundesrats das Land gerettet habe, wie am 11.

Macht man so Minister?

Es ist merkwürdig: obwohl die Trommeln der Reklame immer lauter dröhnen und die Werbeaufwendungen von Jahr zu Jahr steigen, sind die kritischen Stimmen eher leiser und weniger geworden.

Carl Sonnenscheins Vermächtnis

Abermals steht in der katholischen Welt die Soziallehre zur Debatte, abermals bahnt sich ein großes Umdenken an, ähnlich jenem, das in der Enzyklika „Rerum Novarum“ Papst Leos seinen ersten konkreten Ausdruck gefunden hatte.

Hochschul-Bibliographie

Wolfgang Clemen, Idee und Wirklichkeit auf der Universität – Schriften des Hofgeismar rer Kreises: Zur Lage und Reform der deutschen Hochschulen.

Zeittafel

Zustimmungsbeschluß der Bürgerschaft (Landtag) von Bremen zur Errichtung einer Universität auf der Grundlage der Denkschrift von Hans Werner Rothe und Auftrag an den Senat, über die finanziellen Grundlagen dieses Planes zu verhandeln.

Hinter der Maske trug er Masken

Gaetán Picon nennt in seinem Panorama der neuen französischen Literatur Cocteau den „grand couturier des lettres françaises“.

Zeitmosaik

Dem amerikanischen Nachrichtenmagazin Newsweek (vom 7. Oktober) entnehmen wir den bisher unbekannten und darum um so sensationelleren Sachverhalt: „.

Das war die Frankfurter Buchmesse 1963

Das alte Bild, zum fünfzehntenmal und sicher ganz anders als beim erstenmal, größer, bunter, gedrängter. Aber da dem Gedächtnis die jüngste Erinnerung am nächsten liegt, vergleicht es mit dem des Vorjahres und bemerkt wenig Unterschiede: 1271 Stände, vom R.

Maschinerie des Grauens

Daß engagierte Kunst immer mindestens zweierlei Beurteilungen zuläßt oder gar verlangt, das zeigte wieder einmal die Uraufführung des Schauspiels „Aktion T 4“ von Paul Mommertz im Werkraumtheater der Münchner Kammerspiele.

Fernsehen: Der zornige Lord

Wie schnell die Zeit vergeht. Wir hoffen für Proske und das audiatur et altera pars, hieß es an dieser Stelle, zwei Wochen zuvor.

Leserecho

Herrn Professor Trunz dürfen meine Kommilitonen und ich sehr dankbar sein für seinen Aufsatz „Wissenschaft mit schlechtem Gewissen“ (ZEIT, Nr.

Theater

In Bremen wird unter der Generalintendanz von Kurt Hübner ein aufregender Versuch gemacht: Kann ein Stadttheater, dessen Mittel beschränkt bleiben, durch dramaturgische Initiative deutsche Spitze bilden? Bei den Berliner Festwochen hat soeben eine Bremer Inszenierung Peter Zadeks, „Die Geisel“ von Brendan Behan, den absoluten Rekord an Beifall erzielt.

„Caterina Cornaro“

Eine historische Figur, die Venezianerin Caterina Cornaro, lieferte Marie Luise Kaschnitz den Stoff dieses Hörspiels (das übrigens zusammen mit neun anderen Hörspielen der Autorin im Claassen Verlag erschienen ist).

Die Welt ist erzählbar

Alain Resnais ist mit "Muriel" sein bisher bester Film gelungen, ein Werk, das eine Station der Filmkunst markiert und zugleich Leitlinien in das noch Mögliche legt.

Das Kanzler-Erbe

Inzwischen ist es in Bonn schon fast konventionell geworden, Bedenklichkeiten über die weiteren Entwicklungsmöglichkeiten der Bundesrepublik, den Zustand unserer Außenpolitik, die Chancen des künftigen Kabinetts Erhard auszutauschen.

Adenauer im Spiegel der ZEIT

Bestimmt möchte er Kanzler sein, sehr wahrscheinlich wird er Kanzler werden, vielleicht sogar ein guter Kanzler: Konrad Adenauer.

Robert Neumanns leichtes Leben

Es soll Leute geben, die sind imstande, einen ganzen Satz gleichzeitig auszusprechen. Etwas Ähnliches versucht Robert Neumann in seinem jüngsten Werk, seiner Autobiographie: ein ganzes Leben gleichzeitig zu erzählen, Jugend und Alter, Ahnen aus dem vorigen Jahrhundert und deutsche Wirtschaftswunderwelt, das Wien der Expressionistenzeit und das Tessin knapp vor der deutschen Eroberung, Emigration nach London und Besichtigung von Nachkriegs-Europa – alles, alles gleichzeitig.

Lautréamonts grausame Visionen

Ein Buch, das Jahrzehnte überlebte, ha an jedem guten Leser zwei: einen, der es als historisches Denkmal zu würdigen weiß, und den andern, der es auf sich bezieht.

Zur Kunst des Unmöglichen bekenne ich mich

Für die schwedische Literatur wurde nach 1945 im deutschen Sprachraum nicht viel getan. Während man im allgemeinen die Literaturen der Länder, von denen man zwölf Jahre lang systematisch abgeschnitten war, in manchmal eher unkontrolliertem Eifer zurückeroberte, vergaß man die skandinavische; bei der man sich noch vor vierzig Jahren am wohlsten gefühlt hatte, nahezu ganz.

Ausbruch in die Phantasie

Über „die Gewalt, die von Rimbaud ausgeht“, sagte Hugo Friedrich (in der „Struktur der modernen Lyrik“), „daß man dem Phänomen Rimbaud nicht ausweichen kann, das meteorhift kam und versank, aber mit seinem Feuerstreifen noch am Himmel der Dichtung steht“.

Zu empfehlen

FÜR den Klassiker-Nachholbedarf Eduard Mörike: „Werke in einem Band“, Lyrik und Prosa, ausgewählt und mit einem Vorwort versehen von Albrecht Goes; Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg; 652 S.

Protest gegen den Mord

Vom Anfang des Ersten Weltkriegs bis ins hohe Alter hinein hat Hauptmann an dem ebenso bedeutsamen wie unbekannten Dramenfragment „Der Dom“ gearbeitet.

Eine Lady der Literatur

Victoria Sackville-West gehörte zu den oberen Zehntausend der englischen Gesellschaft und zu den oberen, sagen wir, zweihundert der englischen Literatur.

Milchkrieg im Südweststaat

In Baden-Württembergs Molkereien wurde die Milch sauer. In Villingen, Kornwestheim, Stuttgart, Ulm, Ludwigsburg und Gaggenau streikten harte Männer und zarte Schulkinder.

Ideologischer Tee...

Die neueste Geschichte, die in Ostberlin kursiert: In einen HO-Lebensmittelladen tritt ein Kunde. Die Verkäuferin: „Sie wünschen, bitte?“ Der Kunde: „Ein Päckchen Tee.

Vom Umgang mit Gesetzesbrechern

Die Fachleute des Strafvollzugs wollen mitreden, wenn jetzt das Strafrecht reformiert werden soll. Sie haben allen Anlaß, sich mitverantwortlich zu fühlen, denn nicht zuletzt sind sie es, die davon betroffen werden.

Zu schnell festgenommen?

Wird in Schleswig-Holstein bei Verkehrsdelikten zu schnell festgenommen. Im Kieler Landesjustizministerium scheint man sich über diese Frage Gedanken zu machen.

Koalitionsschiff in schwerer See

Ganz so reibungslos, wie es nach der Bürgerschaftswahl am 29. September zunächst den Anschein hatte, geht die Neubildung des Bremer Senats nun doch nicht vonstatten.

Große Mode Federball

In Gärten, auf Vorstadtstraßen, auf Campingplätzen und Parkanlagen in Städten und auf dem Land sieht man heute alte und junge Leute behend und geschickt ein befiedertes weißes Ding sich mit Schlägern zuspielen.

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