Schneller, als es zu erwarten war, muß die Westberliner Oper den Anspruch erfüllen, der in ihrem umstrittenen Namen enthalten ist: „Deutsche Oper Berlin“.

Nach kurzer, allzu kurzer Aufbauzeit fiel diese Forderung dem Institut jetzt schon als ehrenvolle Aufgabe zu. Vom 14. Oktober bis zum 10. November wird die Berliner Oper ein Gastspiel, an dem 260 Personen teilnehmen, in Tokio geben.

Einen Augenblick darf’s einem wohl den Atem verschlagen. Ein riesiges Opernensemble – nicht nur Solisten, auch Orchester, Chor und Bühnentechniker – fliegt von Berlin über Hamburg und den Nordpol auf die andere Seite der Weltkugel!

Wenn Sänger einzeln gastieren, dann sind in ihren scheinbar horrenden Gagen meistens die Reisespesen enthalten. Jetzt klagten vier namhafte Gesangssolisten erst einmal vor dem Bühnenschiedsgericht. (Sie werden trotzdem mitmachen, obwohl der Streit vor der Abreise noch nicht entschieden ist.) 66,66 bis 80 Mark tägliche Diäten: diese Aufwandsentschädigung erschien ihnen zu gering – obwohl sie dem Spesensatz des Regierenden Bürgermeisters von Berlin für seine vergleichbaren Auslandsreisen entspricht.

Mehrere Vorstellungen der Deutschen Oper, die laut Programmzettel „im Rahmen der 13. Berliner Festwochen“ stattfanden, waren praktisch schon öffentliche Generalproben für Tokio: Mozarts „Figaro“ und Beethovens „Fidelio“, die Karl Böhm dirigierte und in Japan dirigieren wird; auch Richard Wagners „Tristan“, den der junge amerikanische Pult-Star Lorin Maazel von Böhm übernahm.

Da der Kalender befohlen hatte, im Oktober des 150. Geburtstages von Giuseppe Verdi zu gedenken, war auch eine funkelnagelneue Sellner-Inszenierung zu besichtigen: „Macbeth“, der eigentliche und einzige Opernbeitrag zu den Festwochen.

Von Sellner war vorher auch Beethovens „Fidelio“ neuinszeniert worden. Zudem versprachen sängerische Umbesetzungen in Wagners „Lohengrin“, gerade weil sie durch Alltagsnöte (Indisposition, Teilverträge) bedingt waren, Einblicke in das Mindestniveau des deutschen Repräsentationsinstituts.