Aber ich bitte Sie, bei uns, bei uns ist alles bis ins kleiste organisiert. Bei uns läuft alles fabelhaft. Am Anfang steht die Betriebsberatung. Bis ins Detail geht sie; sie vergißt nichts. Die Leute kümmern sich um alles: Registraturen, Karteien, Ablagen, Vervielfältigungen, Spezialschränke, Regale, Arbeitswege, Schritte und Handgriffe, um die Arbeitskraft und vor allen. Dingen – natürlich – um den Menschen. Man soll den arbeitenden Menschen nicht vergessen.

Das gibt es ja alles: Lichtdurchflutete Räume, bequeme Treppenanlagen, Aufzüge, die Sozialräume. Alles ist neu. Aber was machen die, die – wie ich zum Beispiel – zum großen Heer der Angestellten gehören, die tagein, tagaus ihr Leben in alten Bürohäusern, in Villenbüros, umgebauten Etagenwohnungen zubringen müssen?

Es fängt schon morgens an mit den kleinen Widrigkeiten. Man wartet vor Fahrstühlen, von denen man nur als Eingeweihter ahnt, wo sich ihre Fahrkörbe gerade befinden. Meistens steht auf einem erleuchteten Schildchen: Kommt! Und nur der Eingeweihte sieht hinter milchigen Scheiben, wie seitlich das Gegengewicht erscheint. Also nimmt er sportlich die Treppe, denn der Aufzug ist gerade oben.

Übrigens: alle baupolizeilichen Schilder und Verbote sind im Fahrstuhl zu lesen. Kluge Planung bringt sie dort an, wo man’s in Muße betrachten kann, aber wie man schnell nach oben kommt oder nach unten, das ist nicht abzulesen. Warum nicht die Zehn Gebote oder moderne Lyrik auf diesem Wege dem hindämmernden Bürger nahebringen? Jeder kann wohl mindestens ein paar Baupolizeiverse aus dem Kopf hersingen, warum nicht Poesie der Gruppe 47?

Bei Paternostern ist’s einfacher. Die gehen immer. Doch wo soll man aussteigen? Wer behält die langen Verheißungen der mysteriösen Tafel am Eingang? Die Namen der großen Firmen liest man beim Hochfahren. Die kleineren sucht man mühselig in Flurlabyrinthen an irgendwelchen Milchglasscheiben.

Der tägliche Benutzer dieser Einrichtungen weiß Bescheid. Er kennt sich aus. Er kommt in’s Büro, er will seinen Mantel aufhängen, und der ist nun manchmal naß. Entweder baumeln bis Mittag an allen Rollschränken trocknende Kleidungsstücke, oder man zwängt sie wider besseres Wissen in die winzigen Spinde und hat am Abend tadellos plissierte, muffige Hüllen und sieht aus, als habe man im Obdachlosenasyl übernachtet. Wer kennt nicht die kijhn nach hinten oder seitlich hochgebogene Hutkrempe auf den Köpfen Tausender von Männern? Aber wer weiß, daß sie nicht einer abenteuerlichen Mode folgen, sondern Opfer des Büromobilars sind?

Die Arbeit könnte ja nun beginnen; es ist ja alles durchrationalisiert bis aufs Letzte. Denksie.