Wer da glaubt, Nerz sei etwa nur eine Zierde für die Frau, ist auf dem Holzwege... Dieser Luxuspelz ist jetzt im Begriff, ein ‚Muß‘ für den Mann zu werden, der im Modebild sein will...“, so sagt Monsieur Chombert, der weltbekannte Pariser Kürschner, der – ähnlich wie Pierre Cardin– sein Auge auf den „pelzlich“ vernachlässigten Herrn geworfen hat.

Eigentlich begann die Geschichte vor einigen Jahren mit der Pelzmütze des englischen Premierministers Macmillan. Man kann ihm in puncto modischer Vorbildlichkeit und Aktualität mancherlei vorwerfen, und eine führende Londoner Herrenmodezeitschrift hat in dieser Hinsicht kein Blatt vor den Mund genommen: Sie mokierte sich über die am Knie geflickten Hosen und die am Ellbogen ausgebesserten Ärmel seiner Tweedjacke, den alten schäbigen Cardigan und die „wasserziehenden“ Beinkleider. Trotzdem muß man dem nicht aus der Fassung zu bringenden Premier eines lassen: Er hat, als unbewußter Pionier modischer Tendenzen, dem Pelz auf dem Haupte des Mannes zu einer neuen Glanzepoche verholfen. Keine männliche Kopfbedeckung wurde so ausgiebig kommentiert, photographiert und reproduziert wie die weiße Pelzmütze Macmillans, die er auf seiner Moskau-Reise vor etwa vier Jahren als Schutz gegen die russische Kälte trug.

Damals galt dieses von seiner Frau Dorothy sorgsam eingemottete und im richtigen Moment hervorgeholte pelzene Prachtstück als diplomatisch-politischer Gag. Man nahm es nicht ernst und lächelte... Aber allen Spötteleien zum Trotz hat Mac damit Schule gemacht. Eine Welle von Pelzmützen ergoß sich über die Vitrinen und Schaufenster der Hutmacher in halb Europa – und nicht zuletzt über die Köpfe der Herren. Sie zeitigt ihre jüngste und pikanteste Blüte jetzt in Paris, wo Chombert, der Kürschner von Liz Taylor, nunmehr dem männlichen „Pelz-Hut“ einen gewagten, aber durchaus akzeptablen Pfiff gibt. Monsieur Chombert hat nun den ersten und entscheidenden Schritt auf dem Wege zur Behütung des Mannes mit Nerz, Zobel, Seal, Fohlen, Otter und Persianer getan. Wohlverstanden: nicht eine landesübliche Mütze aus mehr oder weniger edlen Fellen sondern ein rechter Hut aus kostbarem Pelz. Er kreiert eine Art von „Halbzylinder“ mit leicht glockiger Krempe aus mitternachtsblauem Seal, daneben einen Nachfahren des „Porc pie“ aus kamelhaarfarbenem Fohlen als sportlichen Stil, und ferner aus tiefdunklem kanadischem Saga-Nerz eine verwegene Mütze für den „Frei-Luft-Mann“, deren angearbeitete Ohrenschützer aus Jersey allen sibirischen Temperaturen trotzen.

Vor unserem geistigen Auge sehen wir den Dandy von morgen bei dem Modisten vor dem Spiegel sitzen und nach und nach die kühnsten Träume eines Hutschöpfers aufprobieren. Auf die Frage: „Und welches ist der nächste Streich, M. Chombert“, meint dieser gelassen: Wahrscheinlich die Melone, der Bowler! Ich sehe nicht ein, warum der Businessman in der Londoner City oder im Börsenviertel von Paris sich nicht mit einer Melone aus pechschwarzem, schimmerndem Sealbisam gegen Nordostwind und Unter-Null-Temperaturen schützen und dabei gleichzeitig eine neue und höchst individuelle Note anschlagen soll...!“ Wir stimmten – etwas verdutzt – dem kühnen Entwurfskünstler bei... hüteten uns aber zu fragen, ob für die sommerliche Rennbahn von Ascot, Longchamps und Baden-Baden bereits Kopfbeckungen für den Herrn aus Maiglöckchen und Rosenknospen geplant sind ... Katharina Elisabeth Russell