Sobald schon wieder ein Vierteljahrhundert nach einer „Landesausstellung“ vergangen ist – schnell packt die Schweiz die Gelegenheit beim Schopf und macht prompt eine neue Schau. Im nächsten Jahre wird sie in Lausanne stattfinden: die „Expo 64“. Kein Zweifel, daß sie eine der größten und interessantesten Ausstellungen der Welt sein wird.

Pavillon Echange – so wird eine Halle heißen, wo die Banken und die Versicherungsgesellschaften ausstellen, unter anderem ihre Büromaschinen. Und „Concert Echange“ – so heißt das Stück, das der Schweizer Komponist Rolf Liebermann (der Intendant der Hamburgischen Staatsoper) für diesen Raum und diese Gelegenheit schuf. Spieldauer: drei Minuten; „Kapellmeister“: ein „Elektronengehirn“; Ausführende: 52 Büroapparate, als da sind: Schreibmaschinen, Lochstreifenstanzer, Kopiermaschinen, Registrierkassen, Telex, Rechenmaschinen, Frankiermaschinen, Alarmsignale ... Die „Expo 64“ wird vom 24. April an sechs Monate dauern. Solange tagsüber die Hallen geöffnet sind, werden die Büromaschinen alle Viertelstunde den Besuchern ihr Ständchen bringen.

Ein Spaß? Sicherlich. Aber doch auch mehr als ein Spaß.

Büromaschinen, so begabt sie sein mögen, eines – können sie nicht: Melodien kriegen sie nicht zustände. Aber da sie natürlich differenzierte Geräusche und Töne haben – höhere und tiefere – entsteht etwas, das man für ein „Stenogramm“ von Tonweisen halten mag: Eindrücke, wie sie sich ergeben, wenn es sich um Musik für Schlaginstrumente aller Art – hohe und tiefe, schallende oder „trockene“, blecherne oder hölzerne – handelt. Die „Klangfarben“ mischen: dazu gehört viel Kunst und komponistische Erfahrung. Aber die musikalische Stärke der Büromaschinen wird darin liegen, daß sie – gesteuert vom Elektronenhirn – zu den feinsten rhythmischen Raffinessen fähig sind. Aus Rhythmus, „Klangfarbe“, „Tonhöhe“ aber läßt sich Musik machen, vorausgesetzt, ein Komponist „organisiert“ diese Möglichkeit nach künstlerischem Prinzip.

Schon die Idee ist hinreißend: Büromaschinen auf dem Podium. Festtage ein halbes Jahr hindurch. Sie arbeiten nicht. Sie machen Musik.

M.