Am Schwarzen Meer ... laut Prospekt

Von Peter Paul Schmidt

Novarum rerum cupidus – begierig auf etwas

Neues –, buchte ich bei einer Reisegesellschaft zwei Flugkarten nach Mamaia (Rumänien) am Schwarzen Meer. Die auf die Lufthansa ausgestellten Scheine erweckten die freudige Illusion eines Fluges in modernen Maschinen mit ihren attraktiven Stewardessen und den reichlich gebotenen kulinarischen Genüssen. Das war ein Trugschluß, denn die Lufthansa trat uns mit den besten Wünschen an Rumänien ab, dessen Flugzeuge weniger modern und deren Stewardessen in halbziviler Kleidung weniger anziehend waren.

Am Ziele erhielten wir in einem modernen, großzügig gebauten Hotel luftige, praktisch eingerichtete Zimmer mit Dusche und Balkon. Die Betten ohne Sprungfedermatratze waren wohl auch zu unserem Wohle gedacht, obwohl wir gar keine Bandscheibenschäden hatten. Harte Unterlagen werden ja vom Arzt dagegen empfohlen. Ich werde meine ärztlichen Ratschläge künftig nach der jetzt selbst gewonnenen Erfahrung allerdings etwas zurückhaltender geben. Eine mitgebrachte Luftmatratze macht das Schlafen jedenfalls genußreicher.

Die unsichtbare Mauer

Das am rumänischen Gestade des Schwarzen Meeres gelegene Seebad Mamaia verdient sicher mit Recht den Ruf, einer der schönsten Badeorte der Welt zu sein. Der Sandstrand ist zehn Kilometer lang. Der Ort liegt einzigartig zwischen dem Meer und einem Süßwassersee. Die Häuser im modernen Hochhausstil türmen sich, vom Meer aus betrachtet, zu einem grandiosen Bild. Sehr große, peinlich gepflegte, auch noch in der Nacht gesprengte Rasen und Blumenflächen, zwischen den an herrlich gebauten Promenaden meernahe gelegenen Hotels, verschönern den Ort. Jeden Morgen ist der breite Strand von allen Abfällen befreit und frisch geharkt. Wohltuend für den Feriengast ist es, daß es nicht mehr Autos gibt als zur Jahrhundertwende bei uns. Das ungefährliche Promenieren auf den Straßen löst eine solche befreiende Empfindung aus, wie sie etwa ein aus den Gefängnismauern in die Freiheit Entlassener haben mag.