Wer einstmals etwas auf sich hielt, wenn er auf Reisen ging, und nicht nur die Labsal für den Körper, sondern auch an die Erholung des Geistes dachte – der hatte seinen „Guide bleu“ in der Tasche, Denn, natürlich, er konnte französisch. Heutzutage bedarf es solcher Sprachkünste nicht mehr unbedingt: Den „Guide bleu“ gibt’s auf Deutsch als „Blauen Führer“, diesmal für Italien (Verlag Hachette, Paris, und Zumsteins Landkartenhaus, München; 931 S., 69 Stadtpläne, mehrere Karten; 24,80 Mark). Es ist ein vielfältiges Werk; es animiert den Laien und regt den Kenner an; es enthält sich alberner Lobhudeleien und informiert statt dessen sehr genau. All dies ist Magdelaine Parisot und Jacques Legros zu danken, den Verfassern.

„Volkstümlicher“ und weniger ausführlich sind die Reiseführer durch Italien (19,50 Mark) und Jugoslawien (17,50 Mark), die der Lichtenberg-Verlag, München, unter dem Signum „Revue-Tourist“ herausgegeben hat. Es sind zwei handliche Bücher, die vor allem „das Praktische“ pflegen: Klima, Reisezeit, Sehenswertes, Einkaufsstätten, Hotels, Restaurants, Benzinpreise, Verkehrswege, Veranstaltungen und so weiter. Photos, Karten und ein Register ergänzen die Bände.

Hans Eberhard Friedrich macht es im nunmehr siebenten „Sternfahrten“-Buch des C. W. Leske Verlages, Opladen, anders: Er erzählt dem Auto fahrenden Reisenden, was er auf seinen Touren durch „Schottland, Irland, Ehe“ entdecken kann, was für das Verständnis der Landschaft und ihrer Geschichte zu wissen nötig ist, und macht ihm den Mund wäßrig. Das ist sehr eingänglich geschrieben und mit 76 Federzeichnungen von Theo Scharf hübsch angerichtet. (576 Seiten, eine Autokarte, 19,80 Mark). Das Besondere ist: Friedrich wählt einen „Sternpunkt“, von dem aus er eine Landschaft entdeckt. Seine Maxime heißt: Weniger ist mehr.

Bilderbücher – so und so. Der Hallwag-Verlag, Bern, legt zwei Photobücher im winzigen quadratischen Format vor: London und Japan, jeweils mit 143, teils ganz ausgezeichneten Bildern. Der Goldeinband deutet es schon an: Etwas zum Verschenken. (4,80 Mark)

Sehr bunt gibt sich „Flandern“ aus der Panorama-Reihe des Wilhelm-Andermann-Verlages, München–Wien. Die Farbphotos geben durchweg Postkartenmotive wieder, der Text vermittelt einen hinlänglichen Eindruck (9,80 Mark).

Das Beste in diesem Metier kommt aus der Hauptstadt Schleswig-Holsteins: „Lebendiges Kiel“, herausgegeben vom Presseamt der Stadt. Dabei war die Idee so simpel wie eindrucksvoll. Werner Istel lud Thomas Höpker ein, sich kritisch umzusehen und zu photographieren, „was ‚eigentlich‘ gar nicht geht: den Geist am Werk“. Jan Stiefke Kunstreich schrieb dazu den – ergänzenden, nicht die Bilder erklärenden – Text. Ein ganz ausgezeichnetes Buch, von dem sich die Ämter vieler anderer großer Städte anspornen lassen sollten (Verlag Walter G. Mühlau, Kiel; 14,80 Mark).

In unscheinbarem, ein bißchen altmodischem Gewande erscheint seit Jahren eine Reihe schmaler Broschüren. Hinter den etwas einfältig geschmückten Papptiteln verbirgt sich indessen viel Interessantes. Zumal „den Deutschen“, denen man nicht ganz zu Unrecht vorwirft, sie träten mit biederem Ungeschick ins Fettnäpfchen, sobald sie die Grenze überquert haben, zumal ihnen – also uns allen – seien die Bändchen über den „Umgang mit Völkern“ als Lektüre empfohlen. Da spürt man nirgends den Lehrer, der moralisiert oder penetrant belehrt, da erzählen einfach Leute, die des jeweiligen Landes kundig sind, wie die fremden Völker „sind“ und was bei Reisen zu beachten tunlich sei. Im 29. Heft dieser Reise – die nicht nur Jugendlichen zugedacht ist – berichtet Günther Specovius über die Russen, ihre Art, zu leben, ihre Eigenheiten, ihre Sitten. Die Reihe wird weiter fortgesetzt (Luken & Luken Verlag, Nürnberg; je 2,50 Mark).

Wie soll der rechte Reisebericht geschrieben sein, damit der Leser von ihm angeregt wird, das beschriebene Land oder die geschilderte Stadt zu besuchen? Feste Regeln wird es dafür wohl kaum geben, aber soviel wird man wohl sagen können, daß der Bericht informativ sein soll, und, das ist wohl am schwerten zu erfüllen: er muß den Leser neugierig machen. Ermano Höpner, den Lesern der ZEIT durch verschiedene Beiträge im Reiseteil bekannt, schrieb „Neue Reisen durch die alte Welt“ (Impuls-Verlag, Heidelberg-Berlin, 19,80 Mark), und er beherrscht die Regeln. Was das Buch so sympathisch macht: Es bescheidet sich, es sucht nicht krampfhaft ein vollständiges Bild der besuchten Länder zu geben, aber es enthält immerhin doch soviel, daß man neugierig wird. „So sieht es dort aus“, „Ausflüge“, „Die Leute“, „Was war früher“, „wie dahin“, „wer berät“ in dieser Art sind die einzelnen Abschnitte überschrieben, und es bewahrheitet sich wieder einmal das alte Wort von der Kürze, in der die Würze liegt. D. R.