Der Norden ist, wenn nicht alles trügt, stark im Kommen. Wer die Saison-Ergebnisse dieses Sommers betrachtet, dem drängt sich diese Erkenntnis förmlich auf. Die Reisesehnsucht dreht auf Nord. Und niemand konnte das vorhersehen.

Die Wetterlage, die Nervenlage und die Preislage sind die drei bestimmenden Faktoren des Reiseverkehrs. Mag der sonnige Süden so sonnig sein, wie er will – die lange Anfahrt mit Stauungen, Verzögerungen und „unvorhergesehenen Verkehrsereignissen“ verschlechterten die Nervenlage des Urlaubers beträchtlich. Dieselben Strapazen bei der Rückfahrt! Fernerhin wirkte sich der Zustrom der Deutschen in den Süden ungünstig auf die üppig wuchernde Preisentwicklung aus, zunächst in Italien, dann auch in Spanien. Und so wird es wohl weitergehen.

Dann aber konnte der Norden zum erstenmal in diesem Sommer mit einer Attraktion aufwarten, deren Name Gold wert ist: mit der Vogelfluglinie. In einer auf das Höchste rationalisierten Zeit wirkt das Wort wie ein Anruf aus dem Tiefenbereich des Instinkts. „Wir waren auf der Vogelfluglinie“, klingt wie ein Ausflug in eine andere Welt. So wuchsen denn – so könnte man sagen – vielen Tausenden von Autos Flügel, und sie zogen – wie die Vögel im Frühling – nordwärts und schwenkten auf die Vogelfluglinie ein. Und dieser Zug wird sich noch verstärken.

Diese Entwicklung hatte einen guten Einfluß auf alle Bäder, die im Bereich der Vogelfluglinie liegen. Nehmen wir als Beispiel Travemünde. Statt 76 811 Gästen im Vorjahr waren es diesmal 108 856. Die Übernachtungen stiegen von 425 518 auf 603 311.

Auf der Vogelfluglinie ziehen die Vöglein natürlich nicht nur nordwärts, sondern auch südwärts. So stieg in Travemünde die Zahl der dänischen Gäste von 2721 auf 7768 und die der Schweden von 14515 auf 61892. Aus 667 Norwegern, die im Vorjahr als Gäste in Travemünde waren, wurden 2755. Finnland erhöhte seinen Anteil von 797 auf 2223.

Das sind beachtliche Steigerungen. Die Vogelfluglinie hat zusätzlich auch den Fähr- und Dampferverkehr von Travemünde mit dem Norden angekurbelt, obwohl manche Experten das Gegenteil befürchtet hatten. Sechs Fähr- und Dampferverbindungen laufen von Travemünde nach Dänemark, Schweden und Finnland, us