R. B., Berlin, im Oktober

Der jüngste Zwischenfall auf der Autobahn nach Berlin stand an Dramatik den Ereignissen nicht nach, die sich Ende Oktober 1961 in der Friedrichstraße abspielten. Damals ließ General Clay Panzerwagen auffahren, um das Recht der Besatzungsangehörigen zu verteidigen, in Dienstwagen, auch in Zivil, frei und unkontrolliert nach Ostberlin zu fahren; die Sowjets verliehen, ebenfalls mit Panzern, dem Kontrollansinnen der Volkspolizei Nachdruck. An der Friedrichstraße hat Clay nachgeben müssen, auf der Autobahn haben die amerikanischen Soldaten letzte Woche gummikauend die Nervenprobe bestanden.

Die Aufregung in den westlichen Kanzleien war verständlich. Warum provozierten die Sowjets mitten im Entspannungsfrühling den Zwischenfall? Wie weit würden sie gehen? Wäre der entscheidende Mann in Washington nervös geworden, so hätte angesichts der Panzerabwehrkanonen, Maschinengewehre, der Vierlingsflak und der Panzerschützenwagen, mit denen die Sowjets an der Autobahn ernst zu machen schienen, allerlei geschehen können. Gäbe es freilich schon eine internationale Zugangsbehörde für die Straßen nach Berlin, so wäre die Babelsberger Affäre wohl gar nicht erst entstanden.