Von Zeit zu Zeit werden bundesdeutsche Bürger mit Offerten schweizerischer „Finanzfirmen“ versorgt, die Aktien „mit guten Aussichten“ anzubieten haben. Der Erfolg dieser Offerten war anfangs für die Firmen offensichtlich zufriedenstellend; später wurden aber auch die deutschen Anleger durch Schaden klug. Vielfach erwies sich die angeblich gute Kapitalanlage nämlich sehr bald als ein schlichter Reinfall.

Seit 1961 beschäftigen wir uns, meine verehrten Leser, gelegentlich mit den Aktien der Telycolour Ltd. St. Heller (Jersey), die recht hartnäckig von bestimmter Seite auf privatem Wege in der Bundesrepublik zum Kauf angeboten werden. Zunächst durch die Penombra S.A., Genf, die in ihren Schreiben 1961 zur Eile mahnte, „da nur eine begrenzte Anzahl Aktien zur Verfügung steht“. Man stellte eine Börseneinführung in London in Aussicht. Die Londoner Börse wußte davon nichts. Als dies offenbar wurde, hieß es: „Wir werden für die Börseneinführung den günstigsten Zeitpunkt abwarten.“

Penombra hatte die Telycolour-Aktie zu 7,50 DM das Stück angeboten, Ende 1961 forderte die Fiweka AG, Genf, bereits 10 DM je Aktie (1 Shilling). Inzwischen hat das Papier einen kräftigen Preisanstieg erlebt. Nach neueren Offerten fordert die Fiweka 15 DM je Aktie. Man möchte meinen, daß die Anlage gut war, denn die Aktie ist innerhalb von drei Jahren um 100 % teuerer geworden. Doch der Kursanstieg nützt nichts, wenn die Aktien praktisch unverkäuflich sind.

In den vergangenen Jahren haben mehrere Aktionäre versucht, ihre Telycolour-Aktien wieder abzustoßen. Doch ohne Erfolg. Ende 1961 ergab sich erstmals ein Lichtblick, als nämlich die Firma Firm Investments (London) Limited in größeren Paketen Telycolour-Aktien zu kaufen suchte und sich dabei „zufällig“ an jene Leute wandte, die vorher von Penombra und Fiweka solche Papiere erworben hatten. Jean-Gabriel Zanetta, Anwalt von Fiweka, wies den Verdacht, es könnte sich um ein abgekartetes Spiel handeln, am 16. November in einem an die ZEIT gerichteten Schreiben empört zurück. „Wir haben den Verdacht, daß Genf (Fiweka) und London (Firm Investment) zwar nicht über die gleiche Anschriftenliste, aber doch über die gleiche Anschriftenquelle verfügen.“ Welcher Art diese Quelle sein konnte, verschwieg Zanetta. Sie zu kennen wäre um so aufschlußreicher gewesen, als sich das Angebot von Firm Investment als ein ausgesprochenes Windei herausstellte, denn so weit mir bekannt wurde – hat sie keine Telycolour-Aktien erworben.

Das war 1961. Auch heute werden die Telycolour-Aktien lediglich privat gehandelt, „da sich der Großteil der Aktien im Besitz einer Mehrheitsaktionärsgruppe befindet“, wie Fiweka mitteilt. Weiter sagt sie aus: „Die von uns angebotenen Aktien stammen aus dem Besitz eines Großaktionärs, der seit Jahren die Arbeit der Telycolour Ltd. finanziert. Wir bieten diese Aktien als interessantes und aussichtsreiches Investment an, da wir dem Telycolour-Farbfernsehverfahren gute Zukunftsaussichten einräumen. Wir selbst kaufen keine Aktien zurück, werden aber stets bemüht sein, bei einer Weitervermittlung zu helfen.“ Über den Wert einer solchen Weitervermittlungszusage machen Sie sich am besten selbst ein Bild, meine verehrten Leser.

Die Fiweka empfindet es offensichtlich als seltsam, wenn ein Aktienbesitzer den Wunsch hat, seine Aktien auch einmal wieder veräußern zu wollen. Dazu Herr Zanetta: „Es darf wohl unterstellt werden, daß ein Investor erst einmal den Erfolg einer Spekulation abwartet, bevor er sich entschließt, ein Spekulationspapier wieder zu veräußern. Wir wundern uns daher, warum die Mitarbeiter der ZEIT-Redaktion mit solchem Nachdruck den Standpunkt von Leuten vertreten, die vielleicht ‚kalte Füße‘ bekommen haben und aussteigen’ möchten.“ Also wer Herrn Zanetta folgen will, muß Geduld mitbringen, er muß auf den Erfolg der Spekulation warten können. Wie lange, wird jedoch nicht gesagt.

Ich meine: Nach einer Preissteigerung von 100 % muß man Aktionären zubilligen, den Erfolg einer Spekulation realisieren zu wollen.