3 262 000 Kurgäste haben 1962 in der Bundesrepublik Deutschland in 221 Kurbetrieben – von denen 141 Mineralbäder, 29 Seebäder, 30 Kneippkurorte und 21 heilklimatische Kurorte sind – in 60 977 000 Kurtagen rund 20 463 000 Kuranwendungen in Anspruch genommen. Im Jahre 1952 waren es nur 1 337 000 Kurgäste mit 21 847 000 Kurtagen und 6 715 000 abgegebenen Kurmitteln. Diese Zahlen wurden stolz auf der Jahrestagung der Deutschen Heilbäder und Kurorte im bayerischen Staatsbad Kissingen verkündet.

Wenn man den vorsichtig geschätzten Betrag von 25 Mark je Kurgast und Tag ansetzt, wurden damit mehr als 1,5 Milliarden Mark für Kurtaxe, Kurmittel, Kurarzt, Unterkunft, Verpflegung und Bedienung aufgewandt.

43 von je 100 Gästen, deren Übernachtungen in Hotels und Pensionen der Bundesrepublik registriert wurden, verbrachten ihre Kurtage und -nächte 1962 in Bädern. Der Generaldirektor des Deutschen Bäderverbandes Dr. Dr. Rütten nannte dies mit Nachdruck ein weiteres Zeichen für die volkswirtschaftliche Bedeutung der Heilbäder und Kurorte.

Ein Problem für die Bäder wird die Umstellung der Heizungen in den Kurhäusern und Fremdenheimen auf Öl und die damit verbundene Mineralöllagerung in der Nähe der Heilquellen. Hier drohen Gefahren, und es müssen Maßnahmen zu ihrer Abwehr getroffen werden. Es muß schnell gehandelt werden, wenn nicht sowohl den Heilquellen und ihren Besitzern, aber auch dem übrigen Kurgewerbe größerer Schaden entstehen soll. Die Einbeziehung des Heilquellenrechts in die neue Gesetzgebung zur Regelung des Wasserhaushaltes ist erst durch den Einsatz einer Sonderkommission des Deutschen Bäderverbandes möglich geworden. Ein weiteres Thema, das lebhaft, aber vorsichtig erörtert wurde, war die Leitung und Führung des Kurgastes. Man nannte es ein heißes Eisen, und die Unsicherheit über die Möglichkeiten und Wege ist groß, aber die Bäderexperten stimmen darin überein, daß die rechte Kur- und Bädertherapie heute Leib und Seele umfassen müsse, um dem meist abgehetzten und unsicher gewordenen Kurgast zum rechten Erfolg zu helfen. Der Generaldirektor des Bäderverbandes G. Nave, Kurdirektor von Bad Driburg, belegte aus seiner fast vierzigjährigen Praxis, daß heute von je 100 Kurgästen, die deutsche Heilbäder aufsuchen, 80 durchaus den Wunsch nach einer gewissen Führung und Leitung haben, ob es nun Privatgäste oder Sozialverschickte seien. N.