Kurt Schmücker–das Erbe erwerben, um es zu besitzen

Von Sigmund Chabrowski

Er ist seinem Vorgänger in vielem ähnlich – in der fülligen Statur, im Typ, in seinem Vertrauen ausstrahlenden Optimismus, in seiner Art zu reden und zuzuhören. Ganz so, als ob der Oldenburger Kurt Schmücker, der neue Bundeswirtschaftsminister, ein Sohn des Franken Erhard wäre – von jenen Feinheiten einmal abgesehen, die im Unterschied fränkischen und oldenburgischen Barocks begründet sind.

Vom Alter her gesehen könnte Professor Erhard tatsächlich Schmückers Vater sein. Bundeskanzler Erhard gehört dem Jahrgang 1897 an, Kurt Schmücker wurde 1919 geboren. Als er 1949 in den Bundestag einzog, war er gerade 29 Jahre alt – Benjamin unter den Volksvertretern. Noch jung genug, um großen Vorbildern nachzueifern, und Schmückers Idol war schon sehr früh Ludwig Erhard ...

In diesen vierzehn Bonner Jahren hat sich Schmücker unzweifelhaft als ein gelehriger Erhard-Schüler erwiesen. Er steht seit langem fest auf dem Boden Erhardschen Marktwirtschaftspolitik, die er leidenschaftlich zu verfechten weiß. In der wirtschaftspolitischen Grundkonzeption gibt es zwischen diesen beiden Politikern keine Meinungsverschiedenheiten: „Das Prinzip der Wettbewerbswirtschaft mit dem unmittelbaren Risiko für jeden, der daran teilnimmt, ist richtig.“ Aber von ihm stammt auch folgender Satz: „Die Marktwirtschaft ist keine Heilslehre. Darum ist es auch falsch, an die Marktwirschaft wie an einen aus sich heraus funktionierenden Automatismus zu glauben.“

Schon hier werden gelinde Zweifel wach, ob die weit verbreitete Version von dem bloßen „Erhard-Epigonen“ Schmücker wirklich zutrifft. Waren es Zweifel über Schmückers wirtschaftspolitischen Kurs, die den neuen Bundeskanzler veranlaßten, in seiner Regierungserklärung expressis verbis die „konsequente“ Fortführung der Politik der „sozialen Marktwirtschaft“ zu versprechen? Hat Professor Erhard etwa wegen derartiger Zweifel lange Zeit Staatssekretär Westrick als seinen Nachfolger im Bundeswirtschaftsministerium favorisiert?

Pragmatisch, nicht dogmatisch