Im Hintergrund des X. Deutschen Bankiertages stand das Unbehagen über stand das Unbehagen über den wachsenden Einfluß des Staates

Von Kurt Wendt

Der X. Deutsche Bankiertag sollte mehr als eine reine Arbeitstagung des privaten Bankgewerbes sein; sie sollte – wie es auf Verbandstagungen üblich geworden ist – auch nach außen, auf die Öffentlichkeit wirken. Dennoch, und das ist dem Präsidium des Bankiertages hoch anzurechnen, wurde auf die Absendung „flammender Resolutionen“ an die höchsten Regierungsstellen bewußt verzichtet; denn erstens fühlt sich das Bankgewerbe nicht in einer Lage, in der es auf diese Weise an die Öffentlichkeit appellieren muß, und zweitens wußte man nur zu gut, daß Telegramme dieser Art im Grunde nur dazu da sind, bei den Verbandsmitgliedern den Eindruck gesteigerter Aktivität zu vermitteln, praktischen Nutzen jedoch niemals haben.

Die Referate konnten im allgemeinen als die offizielle Meinung des Bankgewerbes gewertet werden. In den gelenkten Diskussionen ergaben sich auch nur Widersprüche von Rednern, die entweder der Industrie angehörten oder „beamtet“ waren. Eine Ausnahme wäre jedoch zu nennen: Mit dem Vorschlag von Alwin Münchmeyer, Mitinhaber des Bankhauses Münchmeyer & Co., Hamburg (gleichzeitig auch Exporteur), für die Exportfinanzierung ein Refinanzierungsinstitut auf internationaler Ebene ins Leben zu rufen, schien sich nicht nur Dr. Hans-Constantin Boden (Aufsichtsratsvorsitzender der AEG) nicht befreunden zu können. Auch innerhalb der Bankiers bestand – wie in den Diskussionen außerhalb des Saales in der Münchener Residenz zu hören war – einige Skepsis. Insofern hatte Münchmeyer einen Diskussionsbeitrag geliefert, der nicht von vornherein festgesteckte Fronten vorfand.

Staatskonkurrenz unerwünscht

Dem Gegensatz zwischen privatem Bankgewerbe und den öffentlich-rechtlichen Instituten war absichtlich kein besonderes Referat gewidmet worden. Dazu hätte es neuer Argumente bedurft – und diese sind kaum zu erwarten, bevor nicht die Bankenenquete, welche sich mit den Wettbewerbsproblemen beider Gruppen beschäftigen wird, vorliegt. Dennoch gab es kaum einen Vortrag, in dem diese Frage, die den „Privaten“ in der Tat auf den Nägeln brennt, unerwähnt blieb. Der Vorsitzende des Vorstandes des Bundesverbandes des privaten Bankgewerbes, Dr. Gotthard Freiherr von Falkenhausen (Nachfolger des auf dem Bankiertag viel geehrten, verstorbenen Bankiers Robert Pferdmenges), umriß den Standpunkt der Banken sehr klar, als er zum Ausdruck brachte, daß man den Staat und seine Institute nicht zum Konkurrenten haben wolle, zumal wenn diese mit steuerlichen und anderen Privilegien ausgestattet sind. Aber der Verband bejaht die staatliche Kontrolle und Einflußnahme, wie sie jetzt nach Maßgabe des Gesetzes und der bestehenden Reglementierungen durch Aufsichtsbehörde (Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen, Berlin) und Bundesbank ausgeübt werden. „Wir gehen sogar noch weiter und empfehlen nachdrücklich, daß die Behörde bei Ausübung ihrer Befugnis zur Konzessionierung neuer Kreditinstitute äußerst strenge Anforderungen stellt. Nicht, weil wir uns unbequeme Konkurrenten vom Leibe halten wollen, sondern weil wir Wert darauf legen, daß unser Berufsstand nicht durch ungeeignete oder gar unsolide Elemente diskreditiert wird.“

Dieser Forderung begegnet man auf nahezu jeder Tagung eines Verbandes. Sie richtet sich gegen die unbeschränkte Gewerbefreiheit in der Bundesrepublik. Dabei ist das Bankgewerbe gegen das Eindringen sogenannter unlauterer Elemente noch relativ gut geschützt, was derjenige erfahren kann, der eine Bank zu eröffnen beabsichtigt. Natürlich gibt es hier Maschen, durch die Leute hindurchschlüpfen, denen man sein Geld besser nicht anvertrauen sollte. Dennoch sollte gerade das private Bankgewerbe mit dem Ruf nach dem Staat äußerst zurückhaltend sein. Es schützt sich gegen unerwünschte „Kollegen“ am besten selbst, indem es sie aus dem Verband heraushält, auch wenn dies rechtliche Konsequenzen haben sollte. Allem Anschein nach werden wir in diese Richtung gehende Auseinandersetzungen in absehbarer Zeit erleben, und es spricht einiges dafür, daß die Banken hier zumindest die „moralischen“ Sieger sein werden. Und zwar deshalb, weil die Öffentlichkeit Verständnis dafür haben wird, daß die Banken bemüht sind, ein so empfindliches Gewerbe, wie es das Kreditgewerbe nun einmal darstellt, von Leuten mit zweifelhafter Vergangenheit freizuhalten.