Mir fällt eine interessante Verschiebung in der Wahl der Themen und Stoffgebiete auf, indem mehr und mehr solche, die zeitnah Sein und Verhalten des Menschen in der Gesellschaft, im Betrieb und der sonstigen Umwelt im In- und Ausland zum Gegenstand haben – unterrichtende oder zum Teil auch sozialkritische Themen – anteilmäßig nach vorn rücken.

Der Anteil der Themen über Mensch und Gesellschaft, der soziologischen Themen, ist von zirka 18 % im Jahr 1953 allmählich auf über 30 % der Gesamtproduktion im Jahr 1962 angestiegen. Die Themen aus den Bereichen der Wissenschaft sind etwa gleichmäßig bei rund 14 %, die aus Wirtschaft und Verkehr ebenfalls in etwa gleichem Anteil bei etwa 22 % geblieben. Themen über bildende Kunst und benachbarte Gebiete sind von 17 % im Vergleichsjahr auf rund 10 % im Jahr 1962 zurückgegangen.

Auf Kosten gewisser Schwachen und Unvollkommenheiten sich unbeobachtet wähnender Mitmenschen sich zu vergnügen oder Vergnügen zu erzeugen, ist ein leichtes, aber vielleicht auch etwas fragwürdiges Amüsementsverfahren, vornehmlich dann, wenn es unter subjektiver Verzerrung des angegangenen Gegenstandes und ohne Charme und ohne genügenden menschlichen Takt geübt wird. Hiermit soll natürlich keineswegs dem Zahmen, dem betulich Geglätteten das Wort geredet werden; im Gegenteil, auch das Schockierende, Aufreizende, Anprangernde hat seinen unangefochtenen legalen Platz im vielfarbigen Gesamtprogramm und muß ihn haben, aber Objektivität, Unvoreingenommenheit und Redlichkeit, ohne billige akzentverschiebende Spekulation, sollten die Maßstäbe sein.

Nachdem die Menge der bei uns hergestellten Kultur- und Dokumentarfilme von rund 430 im Jahr 1955 allmählich auf 526 im Jahre 1959 angestiegen war, fiel sie in den folgenden Jahren in auffälligem, geradezu alarmierendem Maße auf 340 im Jahr 1961 und jetzt sogar 230 im Jahr 1962 zurück, also sehr erheblich unter die Hälfte ihres Standes von 1959. Dabei verringerte sich das Angebot von prädikatisierten deutschen Filmen dieser Art, die aus bekannten Gründen für eine wirtschaftliche Ausnutzung im Theatereinsatz allein in Betracht kommen, in den letzten Jahren um 40 %, im laufenden Jahr 1963 setzt sich diese absinkende Tendenz noch in verstärktem Maße fort. Dadurch ist zugleich der deutsche Marktanteil an diesen Produktionen, der früher bei 77 % lag, auf kaum 45 % gegenüber den ausländischen Kurzfilmen zurückgegangen.

Die Herstellungskosten für kurze Kultur- und Dokumentarfilme belaufen sich nach Ermittlungen in der Bundesrepublik zur Zeit durchschnittlich auf rund 40 000 DM.

Dem gegenüber lagen die in letzter Zeit dafür erzielten Listenpreise bei Kulturfilmen mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ zwischen 13 000 DM und etwa 20 000 DM, für solche mit dem Prädikat „wertvoll“ zwischen 4 000 und 10 000 DM. Farbfilme mit dem Prädikat „wertvoll“ wen wegen der höheren Kopienkosten meist überhaupt nicht absetzbar.

Der Grund für diese ökonomisch absurde Situation, das Mißverhältnis zwischen Herstellungskosten und Lizenzpreis, ist in allererster Linie die Überbesetzung des Marktes mit prädikatisierten ausländischen Kurzfilmen. Von 1957 bis 1962 stieg das Angebot dieser ausländischen Kurzfilme von 145 auf 250 pro Jahr, also um mehr als 72 %.