Nehmen wir aus den vielen Verfehlungen, die den Zahnarzt Dr. Klußmann in Hildesheim vor Gericht brachten, eine einzige heraus: Den Fall einer dreizehnjährigen Patientin, an der er eine Kieferregulierung vornahm – mit dreifachem Erfolg.

Erstens: Er bediente sich seiner ärztlichen Kunst, und dann saß der Kiefer richtig. Zweitens: Er verlangte und erhielt als ehrlich verdientes Honorar die Summe von 336 Mark. Drittens: Er schrieb dem Vater der kleinen Patientin auch noch eine zweite, eine listig angelegte Rechnung in Höhe von 600 Mark, die dieser mit der Bitte um Beihilfe an seine vorgesetzte Stelle weiterreichte, worauf ihm 70 Prozent vergütet wurden.

Die Soll-und-Haben-Frage war folglich so gelöst: 70 Prozent von 600 Mark gleich 420 Mark. Davon zu zahlen an den Herrn Doktor: 336 Mark. Schreiben wir’s ganz simpel nieder: 420 Mark minus 336 Mark gleich 84 Mark. Summa summarum bleibt also dem zahlenden Vater als Reinverdienst am Gebiß der Tochter der Endbetrag von (in Worten) vierundachtzig Mark.

Hübsch, nicht? Aber das Hübscheste an dieser Transaktion ist doch, daß dieser geschäftstüchtige Vater von Beruf – Regierungsdirektor ist, ein hoher Beamter! Ist es faßbar?

Ja, aber warum spielt denn der Zahnarzt solch ein dummes Spiel, bei dem er – 336 Mark – nur das gewinnt, was ihm tatsächlich zusteht? Ganz einfach: weil er mit der Methode der doppelten Rechnungen viele, viele Patienten bekommt. Beispielsweise waren 40 Staatsbeamte unter seinen Patienten (in. Worten: vierzig), die ähnlich operierten wie der Herr Regierungsdirektor.

Wenn hier und da und womöglich überall Schwindeleien passieren, da schaut man gelassenen Blickes zu. Plötzlich aber schwellen die Zornesadern; man möchte toben vor Wut. Eingedenk des wahrlich nicht sehr tiefen Spruches von Otto Julius Bierbaum „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“, verzieht man zwar die Lippen zum Lächeln. Aber es kommt kein gutes Lächeln dabei heraus; mit dem besten Willen nicht. Warum bloß?

Es geschehen, wie gesagt, ja jeden Tag viel größere Betrügereien. Es betrug der größte Rechnungsunterschied des Dr. Klußmann allerdings 1553 Mark, denn in einem Falle lautete seine erste (echte) Rechnung auf 447 Mark, die zweite (falsche) aber auf 2000 Mark.