Jeden Tag mehrere Stunden stand der Portier in seiner dunkelblauen Uniform da und wartete. Er stand und wartete auf den Chef. Aus lauter Langeweile hakte er in Gedanken die Angestellten ab, und ab und zu rückte er seine schwarze Krawatte gerade oder zog sich die Hose hoch. Er wirkte recht elegant in seinem Maßanzug mit blanken Goldknöpfen, dem besten, den er besaß. Seine Zigarre verzehrte sich oft im Tischkasten. Von Zeit zu Zeit nahm er sie heraus, tat einen tiefen Zug, legte sie zurück in den Aschenbecher und schob den Kasten wieder zu. Mit einer Handbewegung wedelte er den Rauch auseinander. Rauchen in der Vorhalle ist verboten.

Wenn der Chef endlich erschien, verneigte sich der Portier zu einem untertänigen Bückling und murmelte einige äußerst respektvolle unverständliche Höflichkeitsformeln, die er vor dreißig Jahren von seinem Vorgänger übernommen hatte.

Das ist für ihn die wesentliche Handlung des Tages, Dann wartete er weiter, wartete auf das Gehen und das Wiedererscheinen des Herrn Direktors, der jedesmal wieder mit der gleichen Verneigung und denselben Worten begrüßt wurde.

Der Direktor konnte diese Gestalt, die aus einer vergangenen Zeit zu stammen schien, nicht mehr ertragen. Der Mann und das System erschienen ihm veraltet. Er konnte ihn jedoch nicht entlassen, einen so treuen Mitarbeiter. Er hat ihn als Boten nominiert, hat ihm zwölf Mark fünfunddreißig pro Monat Gehaltserhöhung gegeben und das Privileg, seinen Maßanzug mit blanken Goldknöpfen zu behalten.

Das war bis neulich so. – Nun ist er fort. Heute registrieren zwei Fernsehkameras an den Seitenwänden von morgens bis abends das Kommen und Gehen der Angestellten, mit Sekundenschnelle. Eine weitere Kamera, die nur auf das Gesicht des Chefs anspricht, schaltet jedesmal ein Tonband mit einer unpersönlichen Stimme ein, sobald er durch die gläserne Tür schreitet: „Guten Morgen, sehr verehrter Herr Direktor.“ glp.