Von Willi Bongard

Werbefachleute sind die Magier unseres Zeitalters genannt worden. Ihrem Metier haftet in der Tat etwas Mysteriöses, etwas Unheimliches an. Die Vorstellung, daß sie sich geheimnisvoller Verführungskünste, ja unlauterer Praktiken bedienen, geht nicht nur auf das Konto sensationeller Veröffentlichungen im Stile der „Geheimen Verführer“ (Vance Packard). Es ist noch gar nicht so lange her, da wurden die Werbefachleute allen Ernstes in einen Topf mit Zauberern, Schamanen, Medizinmännern und Regenmachern geworfen. So geschehen im „Buch der Reklame“ (Geschichte, Wesen und Praxis der Reklame) von Rudolf Cronau. Das Buch erschien 1887 – in Ulm.

Es ist einer jener Witze, wie sie die Geschichte zu reißen pflegt, daß die Werbung ausgerechnet in Ulm eine ihrer – wenigen – akademischen Heimstätten und ihre wärmsten Fürsprecher obendrein gefunden hat. Gemeint ist die Hochschule für Gestaltung“.

Das, was heute gemeinhin unter „Werbung“ verstanden (oder auch mißverstanden) wird, rubriziert in Ulm freilich unter einer auf den ersten Blick etwas hochtrabenden Bezeichnung, nämlich „Gestaltungsaufgaben im visuellen Bereich der Massenkommunikation“.

Bei der Gründung der „Hochschule für Gestaltung“, die bekanntlich die Tradition vom „Bauhaus“ der zwanziger Jahre fortsetzt, stand der Gedanke Pate, daß sich die Kultur einer Gesellschaft nicht allein in Wissenschaft und Kunst äußert, daß sich eine Kultur vielmehr auch an den Produkten ausweist, die sie hervorbringt und mit denen wir nun einmal zu leben haben.

„Überall geht man heute mit den Erzeugnissen der technisch-industriellen Kultur um, sowohl im privaten Bereich als auch im öffentlichen Bereich und im Bereich der Arbeit“, heißt es in einer Selbstdarstellung der Hochschule. Überall ist man auch in die Massenkommunikation einbezogen durch Presse, Film, Funk und Fernsehen.“ Auf diese beiden Sektoren, d. h. auf die mit der Massenproduktion und Massenkommunikation verbundenen Gestaltungsaufgaben, richtet sich die Arbeit der Hochschule in Ulm.

Die „Ulmer“ haben freilich ihre eigene Auffassung von Werbung. Die unterscheidet sich von der landläufigen nicht zuletzt dadurch, daß sie – neben dem rein kommerziellen – auch einen kulturellen Anspruch erhebt.