In einigen der von Ihnen mit „Reserve“ behandelten Informationsdiensten fand ich in letzter Zeit Hinweise auf die Aktien der Westfalia Dinnendahl Gröppel AG (Wedag), Bochum, die als „zurückgeblieben“ bezeichnet wurden. Tatsächlich hat sich der Kurs dieser Gesellschaft in diesem Jahr eher nach unten als nach oben entwickelt. Hat das einen besonderen Grund?

L. M., Düsseldorf

Antwort: Vorweg wäre zu Ihrer Anfrage zu sagen,’daß wir uns natürlich nicht berufen fühlen, Auskünfte über die Hintergründe von Kursbewegungen oder Kursstagnation einzelner Papiere zu geben. Eine Redaktion ist für eine solche Aufgabe zu wenig kompetent. Außerdem gerät sie zu leicht in den Ruf, Kurse beeinflussen zu wollen. In diesem Fall wollen wir uns in der Antwort – soweit es irgend geht – auf die Darstellung der Fakten beschränken. Ein Urteil müssen Sie sich dann selbst bilden.

Es ist richtig, daß die Aktie in diesem Jahr kursmäßig keine Fortschritte erzielt hat. An Jahresende 1962 notierte sie zu 335 %, heute wird sie in Düsseldorf mit etwa 322 % gehandelt. Inzwischen sind allerdings 15 % Dividende vom Kurs abgegangen. Während der Durchschnitt der Maschinenbauaktien seit Jahresbeginn um etwa 20 % gestiegen ist, hat dieses Papier also keine Fortschritte erzielt.

Natürlich wird man sich fragen müssen, ob dieses Zurückbleiben in der wirtschaftlichen Entwicklung dieses Unternehmens zu suchen ist. Die Bilanz für 1962 gab für eine solche Vermutung keine Anhaltspunkte. Die Wedag konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr trotz verschärftem Wettbewerb einen um 0,8 % höheren Umsatz (98 Mill. DM) erzielen als im Jahr zuvor. Der Reingewinn ist um 3,7 % auf 2,27 Mill. DM gestiegen. Bei gleichgebliebenen Abschreibungen von 1,25 Mill. DM hat sich die Selbstfinanzierungsquote auf 54,6 (30,3) % erhöht. Die Dividende wurde bei 15 % belassen.

Auf der Hauptversammlung der Gesellschaft zeichnete der Vorstandsvorsitzende der Wedag, Bergassessor a. D. Dr. Ing. Wilhelm Fries ein befriedigendes Bild von der soliden Gesellschaftsbasis. Er wies u. a. darauf hin, daß das Anlagevermögen 20 % der Bilanzsumme ausmacht, die Investitionen seit der Währungsreform von 30 Mill. DM 230 % des jetzigen Grundkapitals erreichen. Sie seien zu 20 Mill. DM (154 % des Grundkapitals) aus Abschreibungen finanziert worden. Für den Rest der Investitionsfinanzierung seien eigene Mittel eingesetzt worden. Das Eigenkapital erreiche 110 % des Anlagevermögens.

Soweit dürfte also alles in Ordnung sein. Wenn man an der Börse dennoch an diesem Papier vorübergegangen ist, dann muß man nach anderen Gründen suchen. Immer wieder wird in diesem Zusammenhang auf die enge Verbindung der Gesellschaft zum Bergbau hingewiesen, dessen Lieferant die Wedag seit vielen Jahren ist. Da die Investitionsbereitschaft des Bergbaues nicht in allen Fällen sonderlich groß ist, wird die Wedag als Maschinenfabrik naturgemäß dadurch in Mitleidenschaft gezogen. Dem ist gegenüberzuhalten, daß das Unternehmen schon sehr frühzeitig bemüht war, sein Produktionsprogramm auf eine breitere Basis zu stellen. Das Tätigkeitsgebiet erstreckt sich auch auf die Herstellung von Zementfabriken nach dem Trocken- und Naßverfahren, auf Maschinen und Anlagen für den Straßenbau sowie auf Anlagen für Transport- und Frischbeton. Die Ansicht, die Wedag sei ein reiner Bergbaulieferant, muß deshalb revidiert werden.

Von vielen Anlegern wird geltend gemacht, daß die Gesellschaft eigentlich nur in Fachkreisen oder im regionalen Bereich von Nordrhein-Westfalen bekannt ist und deshalb die Aktien nur schwer zu handeln sind. Das ist ein Einwand, der auf die Aktien zahlreicher Gesellschaften des regionalen Bereiches zutrifft. Meist wird bei ihnen der Handel noch durch ihr relativ kleines Kapital (die Wedag verfügt über ein Aktienkapital von 13 Mill. DM, wovon über 25 % im Besitz der Westfalenbank AG, Bochum, liegen) erschwert. Geringe Kauf- oder Verkaufsaufträge können Kursschwankungen verursachen, die markttechnisch zwar verständlich, aber sonst kaum zu rechtfertigen sind.