H. W., Kiel

Zwischen dem Künstler Ernst Günter Hansing – sein letzter Auftrag war ein Porträt des Bundeskanzlers – und der Kieler Kirchengemeinde St. Nikolai ist ein Streit entbrannt. Das Ärgernis sind die von Hansing geschaffenen zwei Kirchenfenster für die Nikolaikirche. Sie wurden von ihren alten Plätzen entfernt und an anderer Stelle hinter Säulen wieder neu in Fensterrahmen eingefügt. Hansing sprach von einer „Strafversetzung“, der Kieler Propst Sonntag aber sagte, der Kirchenvorstand habe beschlossen, die Fenster von ihrer ursprünglichen Stelle zu entfernen, da sie in ihrer Leuchtkraft zu stark seien.

Dies ist die Vorgeschichte des Kieler „Bildersturms“: Hansing hat im Landesteil Schleswig wohl schon etwa ein Dutzend Glasfenster für Kirchen geliefert, eins davon für den Gottesdienstraum der Pädagogischen Hochschule in Flensburg. Allerdings: Nicht jeder, der diese Fenster sieht, wird sogleich zu einem Freund der Hansingschen Kunst. Seine Kirchenfenster sind abstrakt. In Kiel nun war es ein Verleger, der auf das Werk Hansings aufmerksam wurde. Er beschloß, der Nikolaikirche zwei Fenster dieses Künstlers zu stiften. Für seine Komposition verwendet Hansings sogenanntes Belglas, das etwa 5 Zentimeter dick ist, aber eine intensive Leuchtkraft hat. Die für die Kieler Kirche geschaffenen Fenster symbolisieren Themen des Karfreitag und des Ostersonntag. Sie wurden in der hinteren Wand der Apsis eingesetzt.

Ein Teil des Kirchenvorstandes der Nikolaikirche indes schien mit dem Hansingschen Werk nicht, einverstanden zu sein. Jedenfalls wurden Hansings Fenster herausgenommen und versetzt. Die Fensterhöhlen wurden zugemauert. Dem protestierenden Künstler hielt man vor, seine beiden Fenster seien nicht so gearbeitet, daß sie sich harmonisch; den anderen angeglichen hätten.

Hansing hingegen beruft sich auf sein künstlerisches Gewissen. Am meisten empört es ihn, daß es Laien waren, die über sein Werk entschieden haben. Das sollte man, so meint er, allein Leuten mit Kunstverstand überlassen.