Trägt Moskau sich ernsthaft mit dem Gedanken, ein neues kommunistisches Weltttreffen zu arrangieren? In der Tat gibt es neuerdings einige Anzeichen dafür.

Die erste kommunistische Weltkonferenz nach Stalins Tod fand im November 1957 statt. Damals tagten zunächst die zwölf „herrschenden“ kommunistischen Parteien. Sie einigten sich auf eine gemeinsame politische Deklaration. Anschließend gaben die führenden Vertreter von 64 kommunistischen Parteien nach zweitägigen Beratungen ein Friedensmanifest heraus.

Die zweite Weltkonferenz im November 1960, an der prominente Delegierte von 81 kommunistischen Parteien teilnahmen, stand bereits im Zeichen harter Auseinandersetzungen zwischen der Moskauer und Pekinger Richtung. Mehr als drei Wochen dauerten damals die Debatten, ehe sich die Teilnehmer Anfang Dezember 1960 auf eine langatmige Deklaration einigen konnten. Diese Deklaration war zum Teil so widerspruchsvoll formuliert, daß sich seitdem sowohl Moskau wie auch Peking immer auf jene Absätze stützen können, die ihren eigenen Zielen entsprechen.

Jetzt, drei Jahre später, steht also erneut die Einberufung einer kommunistischen Weltkonferenz auf der Tagesordnung. Bislang hat zwar die Sowjetunion einen solchen Vorschlag noch nicht selber gemacht, wohl aber ist er indirekt in Erklärungen ausländischer kommunistischer Parteien zum Ausdruck gekommen, die in der Prawda publiziert wurden. Das zeigt, daß Moskau diese Vorschläge billigt, ja vielleicht sogar angeregt hat. –

Der erste Hinweis fand sich in einer Erklärung der KP Großbritanniens, die die Bitte enthielt, „mit den Vorbereitungen zur Einberufung einer internationalen Konferenz zu beginnen“. Die britische KP meinte, die kommunistische Weltkonferenz sollte „irgendwann im nächsten Jahr“ stattfinden. Dieser Hinweis wurde jedoch von der Prawda ebenso unterschlagen wie der Vorschlag, die sowjetisch-chinesischen Gespräche wiederaufzunehmen und sich von nun an in der Polemik aller „wilden und unverantwortlichen Beschuldigungen“ zu enthalten. Die Teilveröffentlichung des britischen KP-Vorschlages in der Prawda könnte als Bestreben des Kreml gedeutet werden, erstens die beabsichtigte Weltkonferenz nicht „irgendwann im nächsten Jahr“, sondern möglichst bald und zweitens ohne vorherige Wiederaufnahme der sowjetisch-chinesischen Gespräche und ohne Abschwächung der Polemik zu arrangieren.

Dies wurde noch deutlicher, als wenige Tage später die Führung der KP Portugals vorschlug, „in der allernächsten Zeit“ eine Konferenz aller kommunistischen und Arbeiterparteien einzuberufen, auf der neben der Behandlung ideologischer Probleme auch die entsprechenden Regeln für die Beziehungen zwischen den Bruderparteien ausgearbeitet werden sollten. Da die Führer der KP Portugals noch Anfang September in Moskau waren und mit Suslow konferiert haben, erhalten diese Erklärungen ein besonderes Gewicht.

Weitere Hinweise kamen in einer Erklärung der KP Paraguays zum Ausdruck, die ebenso wie die portugiesischen KP-Vorschläge an prominenter Stelle in der Prawda veröffentlicht wurden. In Anspielung auf die geplante Weltkonferenz erklärten die Kommunisten Paraguays, die „politische Isolierung“ der Pekinger Spalter sei „der einzige Weg zur Erhaltung der Einheit“. Einen großen Raum nimmt in dieser Erklärung auch die Polemik gegen diejenigen Kommunisten ein, die im Moskau-Peking-Konflikt neutral bleiben, „gute Beziehungen mit allen“ unterhalten wollen und in der Position „passiver Beobachter“ verharren. Überdies enthält die Erklärung den Vorschlag, die Deklaration der 81 kommunistischen Parteien von Dezember 1960 in einem bedeutsamen Punkt zu verändern. Während in der damaligen Deklaration der „Revisionismus“ (also in erster Linie die Auffassungen der jugoslawischen Kommunisten) als „Hauptgefahr“ deklariert worden war, soll jetzt festgelegt werden, daß die „dogmatische Abweichung“ der Pekinger Führer „zur Hauptgefahr innerhalb der internationalen kommunistischen Bewegung geworden ist“. Damit soll die Bekämpfung der Pekinger Richtung nun zur verpflichtenden Generallinie für alle Kommunisten der Welt werden.