Das, was Heinz Kühn nach und nach erfahren hatte, "teils aus der Presse, teils auch von Gegnern Johnens in der CDU", veranlaßte ihn nun, bei der CDU anzufragen, ob sie einen "solchen" Landtagspräsidenten noch für tragbar hielte.

Der erste Angriff gegen Johnen in der "Neuen Ruhr Zeitung" wurde zum Gegenstand einer Unterhaltung zwischen den Fraktionschefs im Landtag. Heinz Kühn berichtet darüber: "Die CDU-Fraktion wollte die Angriffe im Ältestenrat erörtern, wenn die SPD es wünschte." Seiner Meinung nach sollte damit eine Solidaritätserklärung für Johnen erreicht werden, mit den Stimmen der SPD. Kühn lehnte ab. Er befürwortete dagegen eine parlamentsinterne Klärung, denn: "Das öffentliche Waschen schmutziger Wäsche schadet dem Parlament." Außerdem sei es Sache der CDU, über den Fall Johnen zu entscheiden. Die Christdemokraten haben jedoch den begründeten Argwohn, daß man ihnen in dieser unerfreulichen Angelegenheit den Schwarzen Peter zuschieben will. Sie beharren auf ihrem Standpunkt: "Der Präsident wurde von allen Fraktionen gewählt. Jetzt soll auch der, der angreift, vor den Kadi gehen. Wir haben dazu keine Veranlassung."

Auf das Altenteil?

Wilhelm Johnen, der bisher zu allen Angriffen geschwiegen hatte, gab in der vergangenen Woche eine Erklärung ab, in der es heißt: "Ich sehe die gegen mich gerichteten Presseveröffentlichungen als einen auf die gesamte CDU gezielten Angriff an. Mit aller Bestimmtheit weise ich darin aufgestellte Behauptungen zurück. Ich bin jederzeit in der Lage und bereit, vor dem Ältestenrat des Landtages diese Stellungnahme zu erhärten." Die CDU nahm diese Erklärung mit "Befriedigung" auf. Ob sich nach alledem aber noch jemand findet, der die Sache vor den Ältestenrat trägt, ist unsicher.

Die Aktivität Heinz Kühns ist für jeden Journalisten eine willkommene Nachrichtenpfründe. Während die Zeitungen von der Pressestelle der Landesregierung nur notdürftig unterrichtet werden, am liebsten mit Statistiken, versammelt Kühn sie um sich und plaudert freimütig mit ihnen über die Zukunft. Im Geiste sieht Kühn den Herzog von Jülich schon auf dem Altenteil, Meyers als Landtagspräsidenten und Dufhues, der in Bonn nicht reüssierte, kehrt in die Landespolitik zurück, und zwar als Ministerpräsident. Soweit die kühnen Träume von Heinz Kühn.

Die Presse jedenfalls zeigt sich vom rasanten Tempo des CDU-Jägers beeindruckt. Er garantiert Schlagzeilen, die die CDU-Politiker nervös machen. Prompt jammern auch die Christdemokraten: "Als nächster wird womöglich der Meyers abgeschossen." Und Wilhelm Lenz erkannte richtig: "Daß die CDU sich umstellen muß, das beginne ich zu lernen."

Nina Grunenberg