ge, Bremen

Der „Hexenberg-Brunnen“, den ein Reformhaus im Zentrum Bremens seinen auf gesunde Nahrung erpichten Kunden feilbot, entpuppte sich jetzt zur allgemeinen Überraschung als ein recht unappetitlicher Trank. Was ein smarter Geschäftsmann auf den Flaschen-Etiketten als „wohlschmeckendes, keimfreies Tafelwasser“ anpries, das besonders für die Zubereitung von Baby- und Kindernahrung geeignet sei, bezeichnete eine Biologin als eine unappetitliche Ansammlung von Mikroben. Im Vergleich dazu, so sagte sie, sei ganz ordinäres Weserwasser „beinahe keimfrei“.

Das war ein harter Schlag für den 58jährigen Geschäftsinhaber, der nach eigenen Angaben seit Jahrzehnten der Reformbewegung dient und sich nun vor Gericht wegen Vergehens gegen das Lebensmittelgesetz zu verantworten hatte. Auf die Idee mit dem „Hexenberg-Brunnen“ will er, so behauptete er jedenfalls vor dem Richter, nur gekommen sein, um seine Kunden an den Segnungen des Wassers teilhaben zu lassen, das auf seinem Grundstück beim Hexenberg vor den Toren Bremens aus einem Brunnen sprudelt.

Ganze 25 Pfennig mußten die Kunden für die 0,7-Liter-Flasche zahlen – geradezu geschenkt, wenn man bedenkt, wieviel Mikroben sie für die zweieinhalb Groschen einhandelten. Die Biologin, die das Gericht als Sachverständige berufen hatte, nannte dazu imponierende Zahlen: So ergaben Proben bis zu 140 000 Keime pro Milliliter „Hexenberg-Brunnen“. „Das Mikroskop enthüllte ein unappetitliches Gewimmel“, erinnerte sich die Expertin. Zum Vergleich gab sie an, daß ungereinigtes Weserwasser im Maximum etwa 9000 Mikroben pro Milliliter enthält.

Das Erstaunlichste ist jedoch: Das Wasser aus dem Hexenbrunnen ist gar nicht einmal schlecht. Wenn es aus der Quelle kommt, enthält es nach den Feststellungen eines Handelschemikers keine Keime. Sie geraten erst durch die seltsame Abfüllmethode des Reformhaus-Besitzers in das Wasser. Statt nämlich den Wundertrank auf sterilisierte Behälter abzuziehen, benutzte der Wasserhändler grundsätzlich nur mit „Hexenberg-Brunnen“ ausgespülte alte Flaschen, versah sie mit einem eindrucksvollen Etikett und bot seine auf so unkonventionelle Weise hergestellte Ware dann im Laden an.

„Ich dachte, die Flaschen wären nach dem Ausspülen keimfrei“, erklärte der Angeklagte dem Gericht und wetterte dann gegen das von den Bremer Stadtwerken ins Leitungsnetz gepumpte Wasser. „Das Leitungswasser enthält in großen Mengen Leichenteile der Mikroben wie tote Fische“, behauptete er forsch und verteidigte mit diesem Hinweis die lebendigen Mikroben in seinem Reform-Wasser. Die Sachverständigen widersprachen ihm.

Auch der Richter zeigte kein Verständnis für den Versuch, den Teufel Leitungswasser mit dem Beelzebub „Hexenberg-Brunnen“ auszutreiben. Er verurteilte den Nahrungs-Reformer zu 1000 DM Geldstrafe und vier Monaten Gefängnis – mit Bewährung.