Zu dem Beitrag von Bernhard Griesbach „Mit Rabatten fängt man Kunden“ (DIE ZEIT Nr.40) sind der Redaktion u. a. Stellungnahmen des Markenverbandes E. V. und des Deutschen Radio- und Fernseh-Fachverbandes zugegangen. Anschließend erteilen wir dem Autor noch einmal das Wort.

Die Vorstellung, ein kaufmännisch versierter Händler, der mit Rabattgewährung bei seinen Kunden einen werbenden Effekt erzielen will, werde seinem Rabatt einen von ihm bereits ermäßigten Bruttopreis zugrunde legen, wenn er unter Angabe des höheren Bruttopreises einen numerisch höheren Rabatt und damit eine sehr viel bessere Werbewirkung erzielen kann, läßt die einfachsten Regeln des kaufmännischen Verhaltens außer acht. Die Verbraucherpreisstellung in Form eines Rabattabschlages auf einen genannten Bruttopreis und die gegenseitige Steigerung dieser Rabattabschläge ist ein Mittel des aktiven Preiswettbewerbs. Man mag verschiedener Ansicht darüber sein, ob eine derartige Form des Wettbewerbs dem Gebot der Preisklarheit entspricht. Ein einzelner Unternehmer muß sich jedoch den Gepflogenheiten des Marktes anpassen.

Solange also Hersteller mit Bruttopreisen arbeiten, um dem Handel die Möglichkeit zu geben, mit der Gewährung von Rabatten zu werben, müssen sie den Rabattspielraum in irgendeiner Form fixieren, Sie müssen darüber hinaus Sicherungen einbauen, damit nicht ihr Produkt in einen ruinösen Rabattwettbewerb hineingerät und so „herunterkonkurriert“ ist, daß sein Vertrieb nicht mehr lohnend erscheint und deshalb vernachlässigt wird. Dieses Bemühen um die Sicherung des Absazes kann zu Bruttopreisen führen, die erheblich über den tatsächlich erzielten Preisen liegen. Eine Schädigung der Verbraucher ist damit infolge der Rabattgewährung jedoch nicht verbunden.

Ob dem Verbraucher mit einem Nettopreissystem mehr gedient wäre als mit Richtpreisen, auf die unterschiedliche Abschläge gewährt werden, erscheint uns recht zweifelhaft. Die Form des rabattierten Bruttopreises führt zu wesentlich schärferem Preiswettbewerb als der Nettopreis, was allein die Klagen mancher Handelskreise hierüber erklärt. Der vom Hersteller genannte Richtpreis ist als einheitliche auch schon aus der Werbung bekannte Berechnungsgrundlage für den Käufer überschaubar. Er kann mit Hilfe des gleichen Bruttopreises cuch erkennen, ob es sich bei Angeboten von verschiedenen Händlern um identische Erzeugnisse handelt und kann die Preise mit Hilfe des angebotenen Rabattabschlages vergleichen, während er bei verschiedenen Nettopreisen für gleichartige Erzeugnisse keinerlei Orientierungsmittel mehr hätte.

Hinzukommt, daß auch beim Nettopreis sich ja für die einzelnen Händler unterschiedliche Einkaufspreise ergäben, da der Hersteller nicht dem Großabnehmer den gleichen Preis abverlangen kann wie seinen kleinen Kunden. Durch unterschiedliche Ausnutzung der Rabattstaffeln wären auch hier die infolge hoher Umsätze günstig einkaufenden Handelsbetriebe in der Lage, dem Verbraucher auf einen sogenannten „Marktpreis“ Rabatte zu gewähren. Die dann herrschende Verwirrung der Käufer könnten sie besonders gut für sich nutzen. Diese Situation ist vielen Betrachtern des amerikanischen Einzelhandels aufgefallen. Die Händler stellten hier ihre Preise den sogenannten „Marktpreisen“ gegenüber, die recht großzügig von ihnen bemessen wurden. Diese fiktiven Preisangaben hatten sich bald so weit von den realen Marktpreisen entfernt, daß sich die FTC zu einer Untersuchung veranlaßt sah.

Markenverband E. V.

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