Als Cecil Rhodes 1902 starb, vermachte er einen großen Teil seines Vermögens einer Stiftung, die an die hundert Stipendien für Studenten aus dem britischen Weltreich, aus Amerika und Deutschland für die ehrwürdige englische Universität Oxford vergibt. Sein Gedanke dabei war, die Männer, die ihrem Lande einmal in führender Stellung dienen sollten, durch gemeinsame Erziehung auf ihre Aufgabe in einer immer stärker auf Zusammenarbeit angewiesenen Welt vorzubereiten. Und in der Tat: Die ehemaligen Rhodes-Scholars bilden eine internationale Elite. Zu den deutschen Stipendiaten, die auf der Ehrentafel unseres Jahrhunderts stehen, gehören Adam von Trott und Graf Albrecht Bernstorff, die beide im Widerstand gegen Hitler ihr Leben ließen.

Deutschland durfte anfänglich jeweils fünf Studenten für drei Jahre schicken. Nach dem Ersten Weltkrieg dauerte es zwölf Jahre, bis wieder deutsche Rhodes-Stipendiaten in Oxford einziehen konnten. Seit dem Zweiten Weltkrieg sind 18 Jahre vergangen; Deutschland und England sind inzwischen Partner in einer Allianz; den Trustees ist angeboten worden, aus privaten deutschen Quellen die notwendigen Beträge aufzubringen, weil die deutsche Quote inzwischen an Commonwealth-Länder vergeben worden war; die Cecil-Rhodes-Stiftung hätte also nur zwei Plätze zur Verfügung zu stellen brauchen. Dennoch lehnen die Trustees die Wiederaufnahme von Deutschen rundweg ab.

Die Londoner Times hat ihnen unter der Überschrift „Don’t be mean“ – Seid nicht kleinlich – ins Gewissen geredet. Arnold Toynbee und andere Prominente haben diesen Aufruf in Leserbriefen unterstützt. Das ist das Versöhnliche, daß es in England stets Mutige und Gerechte gibt, die auch für eine anscheinend verlorene Sache eintreten. Und eben darum wünschen wir uns, daß ein paar junge Deutsche wieder Gelegenheit hätten, ihre geistigen und charakterlichen Maßstäbe in Oxford zu erhalten. Dff.