Über die IOC-Tagung berichtet Willi Daume im Gespräch mit Werner Höfer

Die glanzvollste „Internationale Woche“, die glücklichste Nachsaison, die Baden-Baden je erlebt hat, ist dem Weltbad an der Oos wie ein Geschenk des verdüsterten afrikanischen Himmels zugefallen. Die Hüter der olympischen Idee hatten den gutgemeinten Einfall, in einem der jungen Staaten des Schwarzen Erdteils die 60. Sitzung des IOC abzuhalten. Ort der Verhandlung sollte Kenias Hauptstadt Nairobi sein. Die Gastgeber weigerten sich aber, ihre Gastfreundschaft auch auf Gäste aus Südafrika (wegen der Apardheitsdoktrin) und Portugal (wegen seiner Kolonialpolitik) auszudehnen.

Um den olympischen Frieden vor afrikanischer Eintrübung zu bewahren, mußte schnell ein Ausweichquartier gefunden werden. Im Vertrauen auf deutsche Improvisations- und Organisationsfähigkeiten nahm der amerikanische Ober-Olympiker Avery Brundage mit dem deutschen NOK-Präsidenten Willi Daume Verbindung auf, der – selbst halber Bürger Baden-Badens – schnell schaltete und handelte.

Wie im Sport der Ersatzmann zuweilen zu unverhofften Erfolgen kommen kann, so erwies auch hier sich die Ersatzlösung schließlich als Idealfall. Wenn selbst die schwierigsten Hürden mit einiger Eleganz genommen werden konnten, so bestreitet keiner der 700 Sportgäste, daß auch der Zauber der Stadt dabei im Spiele war. Dankbar, zufrieden und nicht annähernd so abgekämpft, wie er nach einigen harten „Saalschlachten“ und kaum weniger strapaziösen Empfängen sein dürfte, erläutert Willi Daume die Ergebnisse dieser Herbsttagung.

„Man einigte sich, Herr Daume, zunächst einmal auf eine Art von olympischer ,Typenbereinigung‘. Als Industrieller verstehen Sie, was ich meine.“

„Ja, der Katalog der olympischen Disziplinen drohte zu groß zu werden. Es wird künftig immer nur 18 Wettbewerbe geben.“

„Diese 18 Disziplinen werden aber nicht für alle Zeiten festgelegt?“