Es sei doch eine beklagenswerte Sache, wenn reine Amateure von ebenso reinen Profis überfahren würden, ganz abgesehen davon, daß olympische Meineide nicht gerade der olympischen Idee entsprächen.

Willi Daume versteht es aber, auf diplomatische Weise die moralischen Verpflichtungen und die pragmatischen Möglichkeiten des Sports zu verbinden, indem er zurückfragt, ob man das Programm und den Teilnehmerkreis der Olympischen Spiele bis zum Torso einschränken solle, und ob die Erfolge, die unsere reinen Amateure gegenüber ihren nicht ganz so reinen Gegnern erzielten, nicht beachtlich genug seien.

"Welchen Sport, Herr Daume, betreiben Sie noch?"

"Ich spiele Tennis."

"Teams wird bisher nicht für wert und würdig erachtet, mit olympischen Medaillen ausgezeichnet zu werden."

"Das dürfte einen doppelten Grund haben: Die Praxis der Tennis-Amateure ist besonders ‚unamateurisch‘, und es gibt starke Tennisnationen, die ihre eigenen Veranstaltungen von Weltbedeutung, wie etwa das Wimbledon-Turnier, nicht durch eine olympische Konkurrenz gefährden lassen möchten."

Spannend, wie nur je ein olympischer Wettbewerb sein kann, verlief der Städtekampf Lyon–Detroit–Buenos Aires–Mexiko. Lyon hat, obwohl nach dem bisherigen Rhythmus nieder eine europäische Stadt an der Reihe gewesen wäre, und obwohl (oder weil?) die Franzosen den Champagner in Strömen fließen ließen, den kürzeren gezogen. Vielleicht wäre man nach Paris gegangen, nicht aber in die französische Provinz, und vielleicht wollte man sich auch nicht so gern von einer Regierung mit einem "Sportminister" einladen lassen. Detroit, das zum neunten Male unterlegen ist, hat seine Publicrelations-Anstrengungen ("Was gut ist für General Motors, ist auch gut für Olympia ...") offenbar übertrieben – trotz John F. Kennedy als olympischem Herold.