Buenos Aires kam ernsthaft überhaupt nicht in Frage. Mexiko-City hat schon im ersten Anlauf das Rennen gemacht, weil offenbar die Ostblockstaaten den Mexikanern geschlossen ihre Stimme gaben. Unter allen Argumenten, die für oder gegen die Hauptstadt dieses mittelamerikanischen Staates sprechen, ist nur eins sportlich bedeutsam: das Verhalten des Sportlerorganismus bei den besonderen Luftdruckverhältnissen in einer Höhenlage von etwa 2 300 m.

Willi Daume gibt zu, daß hier gewisse Schwierigkeiten liegen:

"Nach Auskunft kompetenter Sportler und Sportärzte sind gesundheitliche Schäden nicht zu befürchten. Bei gewissen Sportarten, etwa bei Sprüngen und Sprintstrecken, sind zwar Leistungssteigerungen, bei anderen, vor allem den Langstreckenläufen, aber Leistungsminderungen zu erwarten. In jedem Falle wird eine längere Akklimatisationszeit unvermeidlich sein, und für Trainer und Ärzte ergeben sich zusätzliche Aufgaben."

"Man hat in Baden-Baden versucht, politische Fragen möglichst nicht hochkommen zu lassen. Die deutsche Frage ist aber auch eine Frage an den Sport. Wie ist sie gelöst worden?"

"Nun, das NOK der Zone behält seinen provisorischen Status. Es wird wieder eine gesamtdeutsche Mannschaft geben. Für Hymne und Embleme bleibt es bei der bewährten Kompromißlösung: Beethoven und Schiller statt der beiden Nationalhymnen, und schwarz-rot-goldene Flagge mit den fünf olympischen Ringen statt der beiden Flaggen der beiden Teile Deutschlands".

"Eine gesamtdeutsche Mannschaft gibt es, ohne daß es einen gesamtdeutschen Sportverkehr gibt?"

"Wir hoffen, daß über die olympische Zusammenarbeit auch der innerdeutsche Sportverkehr zu einem ,Burgfrieden‘ kommen kann. Zunächst einmal muß man sich über Ausscheidungskämpfe und deren Austragungsorte einigen, wobei wir darauf bestehen, daß Westberlin gleichberechtigt zwischen – beispielsweise – Düsseldorf oder Leipzig bleibt."