N. G., Köln

Vor wenigen Tagen machten einige Herren aus dem Landeshaus in Köln einen Besuch in Münster. In einer Feierstunde drückten sie ihren Kollegen vom Landschaftsverband Westfalen die Hand und gratulierten ihnen zum zehnjährigen Jubiläum. Ebenso feierlich wird eine Abordnung der Westfalen am 29. Oktober in Köln erscheinen, um dem Direktor des Landschaftsverbandes Rheinland, Udo Klausa, und seinen Beamten zum selben Fest zu gratulieren.

Daß die Bürger Nordrhein-Westfalens kaum wissen, was in Köln und Münster gefeiert wird, stört die Jubilare wenig. Dafür können sie auf ihren Feiern um so mehr Prominenz aus den Kommunen und der Landesregierung begrüßen. Beide Verbände sparen auch nicht mit Festessen und Zehn-Jahres-Berichten auf Kunstdruckpapier. In Köln wird Ministerpräsident Franz Meyers eine Ansprache halten.

Der größere Aufwand der Rheinländer veranlaßte die Westfalen schon zu der Bemerkung, eigentlich könnten sie bald ihr 150jähriges Jubiläum feiern. Die Rheinländer leugneten es nicht: Die Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen sind die einzigen Rechtsnachfolger der alten preußischen Provinzen, die in der Bundesrepublik noch existieren. Die Jubiläen in Köln und Münster sind denn fast eine Art Solidaritätskundgebung zweier preußischer Veteranen.

Die alten Provinzverwaltungen wurden zwar im Jahre 1953 wiedereingesetzt, doch war Preußen dahin, und weder die neue nordrheinwestfälische Regierung noch die Besatzungsmächte brachten es über das Herz, die Verwaltungsbezirke wieder Provinz zu nennen. Aus der Provinz wurde die Landschaft, aus dem Provinziallandtag die Landschaftsversammlung. Die Regierung in Düsseldorf hat an die Landschaftsverbände, die Wohlfahrtspflege, Gesundheitspflege, Fürsorge für Kriegsopfer, Jugendwohlfahrt, Straßenbau und Denkmalpflege abgetreten.

Nicht jeder Ministerialbeamte in Düsseldorf ist jedoch froh, daß ihm die Landschaftsverbände Arbeit abnehmen. Mit Stirnrunzeln registrieren die Männer in den Landeshäusern, daß die Zentrale ihnen die Kompetenz für Denkmalpflege, Landschaftspflege oder Straßenbau entreißen möchte. Dafür gibt es einen guten Grund: Publizitätsmangel für die Landesregierung. Über die Arbeit des Landschaftsverbandes Rheinland wird in den Zeitungen Nordrhein-Westfalens täglich ein rundes Dutzend Nachrichten veröffentlicht. Aus Düsseldorf hört man seit einiger Zeit höchstens, daß sich die Landesregierung ein Flugzeug kaufen möchte.

Schon fragen einige Verfassungstheoretiker im „Bindestrich – Land“ Nordrhein – Westfalen, was eigentlich der Düsseldorfer Aufwand solle; die Provinzialverwaltungen reichten doch vollkommen aus. Weit größer ist freilich die Zahl derer, die den Verwaltungsapparat der beiden Landschaftsverbände für überflüssig halten. Gegen ihre Angriffe bleibt den Beamten der Landschaftsverbände nur eine Wehr: Sie greifen tief in die historische Requisitenkiste und drohen mit der Büste des Freiherrn vom Stein. Das hat bis heute noch alle Kritiker in die Flucht geschlagen.