Kannst du mir nicht eine Einladung aus Deutschland besorgen, damit ich deine Heimat besuchen kann? Auf diese Frage eines polnischen Studenten, den ich auf einer Trampreise im Ausland traf, antwortete ich: „Klar, das machen wir schon!“ Die Einladung aus meiner Heimatstadt kam postwendend, und so ging ich mit dem Polen auf das deutsche Konsulat des Gastlandes.

„Ich hätte gern für diesen jungen Herrn ein Visum.“ Ich sagte das zu der Frau Beamtin, wie ich vor vier Wochen ein Visum für Ungarn beantragt hatte, so, als wollte ich eine Fahrkarte für die Bundesbahn. Worauf ich auch nach sieben Tagen mein Visum für Ungarn bekommen hatte. „Eine Einreisegenehmigung wollen Sie mit diesem Paß?“ fragte die Beamtin. „Was heißt dieser Paß?“ antwortete ich; das Gespräch wurde hitzig. „Ist er etwa nicht gültig?“

„Doch, aber wissen Sie, ein polnischer Paß...“ Sie schüttelte ihren Kopf, als wollte sie sagen, daß polnische Pässe keine Pässe wären. „Das Visum hätte der polnische Bekannte schon in Warschau beantragen sollen.“

„Ja“, entgegnete ich, „aber damals hatte er noch gar nicht vor, nach Deutschland zu fahren.“ „Das wird schwierig“, sagte sie, „ein Einreisevisum zu bekommen, dauert vier bis sechs Wochen, und dann ist es noch unsicher, ob ob...“

„Aber in sechs Wochen muß der Pole wieder zu Hause an seiner Arbeit sein. Geht es denn nicht schneller, wenn Sie diese Angelegenheit mit Telex erledigen?“

„Was heißt Telex? Telex dürfen wir nur für ganz dringende Fälle benutzen“, erwiderte die Konsulatsbeamtin, „außerdem muß ein Kaufmann, der im Interesse der Bundesrepublik arbeitet, auch solange warten.“

„Ist es denn nicht im Interesse der Bundesrepublik, wenn ein Student nach Deutschland fahren will? Und er gibt ja auch Geld aus, und Sie werben doch so sehr für den Fremdenverkehr.“ „Das geht mich nichts an! Ich habe ja meine Vorschriften“, sagte sie streng. Gott erhalte uns unsere Ausreden.